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Tertullian († um 220) - Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis)

38. Cap. Ebenso beweisend wie die Aussprüche des Herrn sind die durch ihn gewirkten Totenerweckungen.

[S. 469] Welche Bedeutung sollen wir nach den Reden des Herrn nun auch noch seinen Handlungen beilegen, wenn er Tote aus Särgen und Gräbern wieder auferweckt? Wozu soll das? Geschah es bloss zur Schaustellung seiner Macht und zum Gunstbeweis einer augenblicklichen Wiederbeseelung, so ist es ja nichts so gar Grosses für ihn, Leute, die von neuem sterben werden, aufzuerwecken. Geschah es hingegen mehr zur Sicherstellung des Glaubens an die künftige Auferstehung, dann ist damit gegeben, dass auch sie eine leibliche sein wird, entsprechend der Form jenes ihres Beleges.

Ich mag auch nichts von denen hören, welche sagen, die für die Seele allein bestimmte Auferstehung habe dazumal auch auf das Fleisch hinübergegriffen, weil die Auferstehung der unsichtbaren Seele unmöglich in anderer Weise habe anschaulich gemacht werden können als durch Auferweckung der sichtbaren Substanz. Die kennen Gott schlecht, die da glauben, er vermöge nicht, was sie nicht glauben; dennoch müssen sie recht gut wissen, dass er es konnte, wenn sie die Urkunde des Johannes1 kennen. Denn wer die noch nackten Seelen der Martyrer, die unter dem Altare ruhen, sichtbar machte, der wäre jedenfalls imstande gewesen, auch die auferstandenen Seelen ohne Leiber sichtbar zu machen. Ich für meine Person dagegen will lieber, dass Gott das Vermögen zu täuschen nicht besitze und in der Kunst zu täuschen allein schwach sei, damit es nicht scheine, als habe er Belege vorausgeschickt, die der Einrichtung der Sache nicht entsprechen, oder vielmehr, ich will, wenn er eine Analogie der Auferstehung beizubringen ohne Anwendung eines Leibes nicht vermochte, lieber, dass er an derselben Substanz diese überschwengliche Analogie gar nicht anbringen konnte. Eine Analogie ist niemals grösser als das, wovon sie die Analogie ist. Sie ist aber grösser, wenn Seelen mit dem Körper auferweckt werden zum Beweise einer körperlichen Auferstehung. Dann würde eine totale Herstellung des Menschen einer bloss halben zur Unterstützung dienen, da doch umgekehrt das Wesen der Beispiele vielmehr das erfordern würde, was als das Geringere gilt, ich meine, eine Auferstehung bloss der Seele, als Vorgeschmack z. B. davon, dass auch das Fleisch seinerzeit auferstehen werde.

So dienten denn also nach unserer Vorstellung von der Wirklichkeit jene Beispiele von Totenerweckungen durch den Herrn allerdings der Auferstehung des Leibes und der Seele als Belege, damit keiner der beiden Substanzen dieses Geschenk versagt sein sollte. Insofern sie jedoch blosse Beispiele waren, zeigten sie weniger als das, was Christus verhiess. Die betreffenden Personen wurden nämlich nicht zur Herrlichkeit oder Unverweslichkeit auferweckt, sondern nur, um abermals zu sterben.

1: Offenb. Joh. 6, 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger