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Tertullian († um 220) - Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis)

37. Cap. Beseitigung einer aus Joh. 6, 64 hergenommenen Einwendung.

Ebenso hat sich, wenn es heisst, „das Fleisch nütze nichts,“1 die Auffassung nach dem Anlasse des Ausspruches zu richten. Weil man nämlich die Rede des Herrn für hart und unausstehlich gehalten hatte, als wäre es seine Absicht gewesen, man solle in Wirklichkeit sein Fleisch essen, so hat er, um das Wesen des Heils auf den Geist zu gründen, die Worte vorausgeschickt: „Der Geist ist es, der lebendig macht“, und dann hinzugesetzt: „Das Fleisch aber nützt nichts“, nämlich zum Lebendigmachen. Er führt auch weiter aus, was er unter dem Geiste verstanden wissen will. „Die Worte, die ich zu Euch geredet habe, sind Geist, sind Leben“; sowie weiter oben: „Wer meine Worte hört und an den glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben, und das [S. 468] Gericht wird nicht über ihn kommen, sondern er wird vom Tode zum Leben hinübergehen.“2 Indem er so das Wort als den Lebendigmacher hinstellt, weil das Wort Geist und Leben ist, hat er sein Fleisch ebenso genannt, weil das Wort ja Fleisch geworden war. Demnach musste es zum Zwecke des Lebens begehrt, durch Anhörung genossen, durch Verstehen gleichsam wiedergekäuet, durch Glauben verdauet werden. Denn er hatte kurz vorher3 sein Fleisch auch als das Himmelsbrot bezeichnet, indem er durch eine von den notwendigsten Nahrungsmitteln entnommene Allegorie die Erinnerung an die Vorfahren, welche das Brot und Fleisch Ägyptens der göttlichen Berufung vorzogen, wach rief. Sich gegen ihre Bedenklichkeiten, die, wie er bemerkt hatte, zerstreut werden mussten, wendend, sagte er also: „Das Fleisch nützt nichts“. Hat das mit Beseitigung der Auferstehung etwas zu schaffen? Als ob es nicht Dinge geben dürfte, die, wenn sie schon selbst nichts nützen, doch Nutzen von andern empfangen können? Der Geist nützt, er macht nämlich lebendig; das Fleisch nützt nichts, weil es dem Tode verfällt.

Darum hat Christus bei unserer Ansicht viel besser angegeben, was jedem von beiden bevorsteht. Indem er nämlich zeigt, was nützt und was nicht, hat er damit zugleich ins Licht gestellt, wer nützt und wem, nämlich der Geist als Lebendigmacher dem hingestorbenen Fleische. „Denn es wird die Stunde kommen,“ sagt er, „da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben.“4 Was ist denn tot? Doch nur das Fleisch. Und wer ist die Stimme Gottes? Doch nur das Wort. Und wer ist das Wort? Doch nur der Geist, der mit Recht, weil er selbst Fleisch geworden ist, das Fleisch auferwecken wird, und zwar von dem Tode, den er selbst erduldet hat, und aus dem Grabe, in das er selbst ist gebracht worden. Endlich, wenn er sagt: „Wundert Euch nicht, weil die Stunde kommt, in welcher alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und es werden hervorgehen, die Gutes gethan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses gethan haben, zur Auferstehung des Gerichts“;5 — dann wird niemand mehr, sage ich, unter den Toten, die in den Gräbern sind, etwas anderes verstehen können, als die Körper und das Fleisch, weil die Gräber auch nichts anderes sind als Behausungen der Leichname. Denn gerade die alten Menschen, d. i. die Sünder, d. i. die, welche tot sind durch Unkenntnis Gottes und nach der pfiffigen Auslegung der Häretiker mit den Gräbern gemeint sein sollen, die werden, wie unumwunden gesagt ist, aus ihren Gräbern herausgehen zum Gericht. Wie sollten übrigens Gräber aus Gräbern hervorgehen können?

1: Joh. 6, 64; vergl. zum folgenden die ganze Stelle Joh. 6, 53 —72, deren Beziehung auf die Einsetzung des Abendmahls Tertullian hier zurücktreten lässt.
2: Joh. 5, 24.
3: Ebend. 6, 49, 50.
4: Ebend. 5, 25.
5: Ebend. 5, 28.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger