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Tertullian († um 220) - Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis)

33. Cap. Übergang zu den Evangelien. Auch dort ist wohl manches, aber nicht alles Gleichnis und Sinnbild, besonders nicht das, was sich auf die letzten Dinge bezieht.

In betreff der prophetischen Schriften genügt dies. Ich lenke den Kampf nun aufs Gebiet der Evangelien. Auch hier muss ich zuerst der analogen Verschmitztheit derer in den Weg treten, welche behaupten, der Herr habe alles nur in Gleichnissen geredet, weil geschrieben steht: „Dieses alles nun redete Jesus in Gleichnissen, und ohne Gleichnis redete er nichts zu ihnen“1 — wohlgemerkt zu den Juden. Denn auch die Jünger sagen: „Warum redest Du in Gleichnissen?“ Und der Herr antwortet: „Ich rede deshalb in Gleichnissen zu ihnen, damit sie sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht hören“, gemäss den Worten des Isaias.2 Wenn er also zu den Juden in Gleichnissen redete, dann doch nicht zu allen; wenn nicht zu allen, dann auch nicht immer, und es ist nicht alles Gleichnis, sondern nur einiges und bei gewissen Personen. Diese Personen aber sind die Juden, manchmal allerdings auch die Jünger. Aber betrachte, mit welchen Worten die hl. Schrift dies berichtet: „Er redete aber auch ein Gleichnis zu ihnen.“3 Folglich sagte er manchmal auch [S. 462] kein Gleichnis. Denn es wäre nicht angemerkt worden, wann er ein Gleichnis redete, wenn er immer so geredet hätte. Überdies wird man finden, dass die Parabeln entweder von ihm selbst ausgelegt werden, wie die vom Säemann als die Predigt des Wortes, oder vom Verfasser des Evangeliums erklärt werden, wie die vom stolzen Richter und der zudringlichen Witwe als Hinweisungen auf die Beharrlichkeit im Gebet, oder endlich, dass sie sich selbst erklären, wie die vom Feigenbaum, der noch Aufschub erhielt wegen der Hoffnung, als ein Bild der Unfruchtbarkeit des jüdischen Volkes.

Wenn also das Licht des Evangeliums nicht einmal durch die Gleichnisreden verdunkelt wird, so fehlt viel daran, dass die Aussprüche und Erklärungen, die ihrer Natur nach klar sind, anders zu verstehen wären, als sie lauten. Das Gericht, das Reich Gottes und die Auferstehung aber kündigt der Herr in Form von Erklärungen und Aussprüchen an. „Erträglicher“, sagt er, „wird es Tyrus und Sidon gehen an jenem Tage“,4 „saget ihnen, das Reich Gottes sei nahe“,5 „es wird Dir bei der Auferstehung der Gerechten vergolten werden“.6 Wenn also die Namen der betreffenden Dinge, d. h. Gericht, Reich Gottes und Auferstehung, in sich fertig sind, so dass keins davon zu einer Parabel verflüchtigt werden kann, so darf auch das nicht zu Parabeln verflüchtigt werden, was in der Verkündigung als zur Vorbereitung, Verwirklichung und Wahrnehmung des Reiches, des Gerichtes und der Auferstehung gehörig bezeichnet wird.

So werden also diese Dinge als körperliche aufrecht erhalten werden, weil sie für Körperliches bestimmt und folglich nicht geistig sind, weil nicht figürlich. Deshalb haben wir auch den Nachweis vorausgeschickt, dass sowohl dem Seelen- als dem Leibeskörper der dem gemeinschaftlichen Wirken entsprechende schuldige Lohn in Aussicht stehe, damit nicht durch die Körperlichkeit der Seele, welche zu symbolischen Auffassungen Anlass gibt, die Körperlichkeit des Leibes ausgeschlossen werde. Denn der Glaube muss festhalten, dass sie beide am Reiche, am Gericht und an der Auferstehung Teil haben.

Nun fahren wir fort zu beweisen, der Herr habe ganz eigentlich die Körperlichkeit des Leibes bei jeder Erwähnung der Auferstehung im Sinne, unbeschadet der der Seele, welche einige wenige Personen ebenfalls schon empfangen haben.

1: Matth. 13, 34.
2: Matth. 13, 10 u. 13; Is. 6, 9 ff.
3: Luk. 18, 9.
4: Matth. 11, 24.
5: Matth. 11, 7.
6: Luk 14, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger