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Tertullian († um 220) - Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis)

32. Cap. Auch die von Tieren verzehrten und vom Meere verschlungenen Leiber sollen auferstehen. Willkürliches Verfahren der Häretiker, welche bei den Propheten das eine allegorisch auslegen, das andere nicht.

Damit es nicht den Anschein gewinne, als werde die Auferstehung bloss derjenigen Leiber verkündigt, welche in Gräbern niedergelegt sind, so existiert auch die Schriftstelle: „Ich werde den Fischen des Meeres Befehl erteilen, und sie werden von sich geben die Gebeine, welche sie verschlungen haben, und ich werde fügen Band an Band und Bein an Bein.“1 Dann werden folglich, höre ich einwenden, auch die Fische wiederaufstehen, sowie auch die wilden Tiere und Fleisch fressenden Vögel, um die Menschen von sich geben zu können, welche sie gefressen haben; denn man liest auch bei Moses, dass von allen Tieren das Blut zurückgefordert werde? — Durchaus nicht, sondern die wilden Tiere und Fische werden behufs der Wiedergabe des Fleisches und Blutes nur zu dem Zwecke namentlich aufgeführt, um die Auferstehung auch der verschlungenen Leiber um so entschiedener auszudrücken, wenn sogar den Verschlingern derselben die Wiederherausgabe befohlen wird.

Für einen hinlänglichen Beleg der diesbezüglichen Macht Gottes halte ich den Jonas, da derselbe unversehrt an beiden Bestandteilen, an Leib und Seele, aus dem Bauche des Fisches herausgeholt wird. Ein Fischmagen wäre sicher in einem Zeitraum von drei Tagen mit der Auflösung eines Menschenleibes leichter zustandegekommen, als ein Sarg, ein Grab, als die Ruhe in irgend einem einsamen und abgelegenen Beinhause, davon ganz zu schweigen, dass im Bilde der Bestien diejenigen, welche sich [S. 461] wild gegen die Christen betragen, die nur dem Namen nach Menschen, in Wirklichkeit Engel der Gottlosigkeit sind, angedeutet werden. Von ihnen wird das Blut wiedergefordert durch eine entsprechende Strafe.

Wem also das Lernen mehr am Herzen liegt als Einbildungen, wer es mehr aufs Glauben abgesehen hat als aufs Streiten, wer die göttliche Weisheit mehr ehrt als er seiner eigenen frönt, wird der, wenn er von einem Ratschlusse Gottes in betreff des Fleisches, der Haut und der Sehnen hört, ihn auf andere Weise auslegen und glauben, was in betreff dieser Substanzen angekündigt wird, gelte dem Menschen nicht? Entweder ist in betreff des Menschen nichts beschlossen, weder die Verleihung des Himmelreichs, das strenge Gericht und was sonst noch zur Auferstehung gehört, oder aber, wenn dem Menschen dergleichen bestimmt ist, so ist es notwendigerweise für die Substanzen bestimmt, woraus der Mensch, für den es bestimmt ist, besteht. Ich richte an diese verschmitzten Hexenmeister, die Gebeine, Fleisch, Sehnen und Gräber weghexen, auch die Frage, warum sie, wenn einmal ein für die Seele geltender Ausspruch gethan wird, die Seele nicht auch für etwas anderes deuten und sie nicht in einen andern Gegenstand umdeuten, sondern warum sie, wenn etwas auf irgend einen körperlichen Bestandteil Bezügliches gesagt wird, eher alles andere gelten lassen, als das Ding, dessen Name genannt wird? Wenn die körperlichen Dinge blosse Gleichnisse sind, warum nicht auch die seelischen? Wenn die seelischen keine enthalten, dann sind die körperlichen auch keine. Denn der Mensch ist so gut Körper als Seele. Daher kann nicht der eine Bestandteil Sinnbilder zulassen, der andere sie ausschliessen.

1: Offenb. Joh. 20, 13.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger