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Tertullian († um 220) - Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis)

4. Cap. Triviale Räsonnements auf Grund der Gemeinbegriffe sind bei Heiden und Häretikern besonders in betreff der Auferstehungslehre gewöhnlich.

Daher machen die Häretiker den Anfang mit demjenigen, wovon sie wissen, dass die Menge sich leicht damit fangen lässt, mit der beliebten Gemeinsamkeit der Begriffe; damit leiten sie die Sache ein und bauen darauf fort.

Oder hört man sie nicht aus dem Munde der Häretiker ebenso schnell und ebenso oft als aus dem der Heiden? Hört man nicht sofort und überall die Schimpferei über das Fleisch, seinen Ursprung, seine Bestandteile, seine Zufälle, seinen ganzen Ausgang? dass es von Anfang an unrein sei als Abschaum der Erde, dass es in der Folge noch mehr verunreinigt worden durch den Unflat seines eigenen Samens, dass es gebrechlich, schwach, schuldbeladen, beschwert, lästig sei, und zuletzt als Schluss der ganzen Litanei seiner Niedrigkeit, dass es in die Erde, seinen Ausgang, hinsinke als Leichnam, dass es endlich nicht einmal diesen Namen behalte, sondern in ein Nichts zergehe, noch nicht einmal ein Name, sondern bis zum Untergang jeglicher Benennung!? Dieses Fleisch also, weiser Mann, das Deinem Anblick, Deiner Berührung und Deiner Erinnerung entschwunden ist, davon wolltest Du Dir einreden lassen, dass es sich einst wieder herstellen werde, aus der Verderbnis zu einem [S. 426] vollkommenen Ganzen, aus der Inhaltlosigkeit zu etwas Greifbarem, aus der Leerheit zur Vollheit, aus einem baren Nichts zu einem Etwas?! Und dabei sollen es natürlich die Flammen, die Wogen, die Wänste der wilden Tiere, die Kröpfe der Vögel, die Kaldaunen der Fische, ja sogar die ganz absonderliche Wohlschmeckerei der jetzigen Zeiten1 wieder hergeben?! Mithin wird es als dasselbe wieder erwartet, welches zu Grunde gegangen ist, so dass man als Lahmer, als Schielender, als Blinder, als Aussätziger, als Gelähmter wiederkommt, so dass also in den ursprünglichen Zustand zurückzukehren nicht beliebt?! Oder wird man unverkrüppelt sein, so dass man nochmals dergleichen Leiden zu fürchten habe? Und dann, was mit dem Fleische verbunden ist?! Ist ihm eben dieses alles wiederum notwendig? Vor allem Nahrung und Getränke, den Lungen das Aufatmen, den Eingeweiden die Wärme, den Schamteilen sich nicht zu schämen und allen Gliedern die Verrichtung ihrer Thätigkeit? Will man denn Geschwüre und Wunden, Fieber, Podagra und den Tod wieder zurückwünschen? Selbstverständlich, dies würde das Verlangen, den Leib wieder zu erhalten, bedeuten, wiederum wünschen, ihn los zu werden! — Wir sagen nur so viel, als sich mit einiger Ehrbarkeit sagen lässt, damit das Papier nicht erröte. Wie viel sollte bei ihren Besprechungen nicht auch noch der Zotenreisserei zu unternehmen erlaubt sein, sowohl den Heiden als den Häretikern?!

1: Siehe oben de pallio c. 5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger