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Tertullian († um 220) - Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis)

27. Cap. Die Lehre von der Auferstehung ist oft unter der Allegorie von Kleidern verborgen.

Auch die Erwähnung von Kleidern in der hl. Schrift haben wir im Sinne der Hoffnung des Leibes allegorisch zu erklären. In der Apokalypse des Johannes heisst es nämlich beispielsweise: „Das sind die, welche ihre Gewänder nicht befleckt haben mit Weibern“;1 darunter werden die Jungfrauen verstanden und diejenigen, welche sich selbst verschnitten haben wegen des Reiches Gottes. Und so werden sie denn weiss gekleidet sein, d. h. in die Klarheit eines jungfräulichen Leibes. Auch im Evangelium kann man in dem „hochzeitlichen Kleide“2 die Heiligkeit des Leibes wiedererkennen. Daher sagt Isaias da, wo er lehrt, welches das Fasten sei, das der Herr sich auserwählt hat, und über den Lohn für das Gute Angaben macht: „Dann wird Dein Licht hervorbrechen wie der Morgen und Dein Gewand wird schneller kommen“,3 doch wohl kein halbseidenes oder ein Pallium, sondern er wollte, dass man den Leib darunter verstehe, und hat so bei Gelegenheit der Erwähnung des Unterganges des Todes die Entstehung des wieder auferstehenden Fleisches verkündet. Also steht auch uns die Verteidigung der körperlichen Auferstehung mit Hilfe der Allegorie zu.

Wenn wir lesen: „Tritt ein mein Volk, in deine Vorratskammern....einen Augenblick, bis mein Zorn vorüber ist“,4 so werden die Vorratskammern wohl die Gräber sein, in welchen diejenigen eine kurze Zeit zu ruhen haben, die am Ende der Welt unter dem letzten Zorne durch die Gewalt des Antichrists umkommen. Oder aber, warum hat er es vorgezogen, sich des Ausdrucks „Vorratskammern“ zu bedienen und nicht des Namens irgend eines andern Aufbewahrungsortes, wenn nicht aus dem Grunde, weil in den Vorratskammern das gesalzene und zum Gebrauche bestimmte Fleisch aufbewahrt wird, welches daraus zu seiner Zeit soll hervorgeholt werden. Denn gerade so werden die Leiber mit Spezereien für das Begräbnis einbalsamiert und in Mausoleen und Grabmälern beigesetzt, um daraus wieder hervorzugehen, sobald es der Herr befiehlt. Da dies nun so zu verstehen ist — denn wo gäbe es sonst Vorratskammern, die uns vor dem Zorne Gottes als Zufluchtsörter dienen könnten? — und gerade deshalb, weil er sagt: „ Bis mein Zorn vorübergeht“, der nämlich, welcher den Antichrist vernichten wird, — so gibt er damit zu erkennen, dass der Leib aus dem Grabe, in welches er vor dem Ausbrechen des Zornes gebracht worden war, wieder hervorgehen werde. Denn aus den Vorratskammern wird nichts anderes herausgeholt, als was hineingetragen wurde, und die Auferstehung wird nach der Vertilgung des Antichrists vor sich gehen.

1: Apok. 3, 5.
2: Matth. 22, 11.
3: Is. 58, 8. Die Vulgata liest hier sanitas.
4: Is. 26. 20.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger