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Tertullian († um 220) - Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis)

21. Cap. Dass die Verheissung der Auferstehung allegorisch gemeint sei, ist aus Vernunftgründen nicht anzunehmen.

Wenn also doch zuweilen und bei einigen Dingen, warum sind sie denn nicht, höre ich einwenden, auch in der Ankündigung der Auferstehung geistig zu verstehen? Weil mehrfache Gründe dagegen vorhanden sind. Erstens nämlich, was wird aus der so ansehnlichen Menge göttlicher Schriftstellen werden, welche die leibliche Auferstehung so bündig bezeugen, dass sie auch nicht einmal den Gedanken an eine figürliche Deutung aufkommen lassen? Und dann würde es zweitens, wie wir schon oben angedeutet haben, billig sein, das Ungewisse auf Grund des Gewissen, das Undeutliche auf Grund des Deutlichen zu beurteilen, damit wenigstens bei dem Zwiespalt zwischen gewiss und ungewiss, deutlich und undeutlich der Glaube nicht zu Grunde gehe, die Wahrheit keine Gefahr laufe und nicht die Gottheit selbst, als sich nicht gleich bleibend, getadelt werde.

Sodann ist es nicht wahrscheinlich, dass gerade der Punkt der christlichen Heilslehre, der den Glauben in seinem ganzen Umfange in [S. 447] Anspruch nimmt und worauf sich die ganze Kirchenzucht gründet, in doppelsinniger Weise verkündigt und in dunkeln Worten hingestellt erscheine, da doch die Hoffnung auf die Auferstehung, nur wenn sie in Beziehung auf Lohn und etwaige Strafe klar und bündig ist, jemand zur Annahme der Religion bewegen wird, zumal einer solchen, welche sich dem öffentlichen Hasse ausgesetzt sieht. Kein sicheres Unternehmen kann bei einem unsichern Lohn bestehen, keine Furcht ist begründet bei einer nur zweifelhaften Gefahr. Nun aber hängt sowohl der Lohn als die etwaige Gefahr von dem wirklichen Eintritt der Auferstehung ab. Wenn nun schon die Ratschlüsse Gottes, welche einzelne Zeiten, Orte und Personen betreffen, in so klarer und bündiger Prophezeiung an dieselben gerichtet sind, was sollte man dazu sagen, wenn seine ewigen und allgemeinen, für das ganze Menschengeschlecht geltenden Anordnungen ihr eigenes Licht scheuen würden?! Sie müssen vielmehr, je wichtiger, auch desto klarer sein, gerade damit sie für wichtig gehalten werden. Und ich sollte doch denken, dass man Gott weder Missgunst noch List, weder die Unbeständigkeit noch den Wortprunk, womit öffentliche Ankündigungen hochgestellter Personen sonst wohl die Leute hänseln, zutrauen dürfe.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger