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Tertullian († um 220) - Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis)

19. Cap. Die Häretiker suchen sie zu einer blossen Allegorie abzuschwächen, oder gestehen nur zum Schein eine Auferstehung zu.

Die Prüfung besagten Titels und seines Inhalts, welche die Worte in ihrer eigentlichen Bedeutung nimmt und verteidigt, wird dahin operieren müssen, dass, wenn die Gegenpartei die Sache etwas durch Vorschieben von Figuren und Rätseln trübt, immer das Handgreiflichere die Oberhand erhalte und das Ungewisse durch das Gewisse abgewiesen werde. Sie klammern sich nämlich an eine sehr gewöhnliche Form der prophetischen Ausdrucksweise, die häufig — aber doch nicht immer — allegorisch und figürlich ist, und schwächen die Bedeutung der Auferstehung, die ganz deutlich angekündigt ist, zu einer bloss bildlichen ab, indem sie behaupten, dass auch das Sterben nur geistig zu verstehen sei. Es sei nämlich nicht das Sterben in Wirklichkeit, welches wir stets vor Augen haben, die Trennung der Seele vom Leibe hier gemeint, sondern die Unkenntnis Gottes, wodurch der Mensch, Gott abgestorben, im Irrtum darnieder liegt geradeso wie im Grabe. Und darum sei es auch für eine Auferstehung zu halten, wenn jemand den Zugang zur Wahrheit gefunden habe, dadurch für Gott wieder beseelt und wieder belebt, nach Beseitigung des Todes der Unwissenheit, gleichsam aus dem Grabe des alten Menschen hervorgehe. Denn der Herr habe die Schriftgelehrten und Pharisäer auch mit übertünchten Gräbern verglichen. Von dem Zeitpunkt an also, wo man den Herrn in der Taufe angezogen habe, habe man durch den Glauben die Auferstehung mit ihm erlangt.

[S. 445] Durch diesen Kunstgriff pflegen sie auch bei Unterredungen häufig die unsrigen zu fangen, als wenn sie ihrerseits ebenfalls die Auferstehung zugäben. Um nicht gleich vor den Kopf zu stossen, wenn sie sofort die Auferstehung leugnen, sagen sie: Wehe dem, welcher nicht in diesem Fleische aufersteht. Im stillen aber denken sie sich dabei ihrer Wissenschaft entsprechend: Wehe dem, welcher nicht, so lange er in diesem Leibe lebt, die häretischen Geheimlehren erkannt hat! Denn das ist ihre Auferstehung. Viele aber haben bei der Auferstehung das Herausgehen der Seele im Auge und erklären, aus dem Grabe Hervorgehen heisse: die Welt verlassen, weil die Welt der Wohnort der Toten sei, d. h. der Menschen, die Gott nicht kennen, oder sie verstehen es sogar vom Körper selbst, weil der Körper, als Kerker dienend, die eingeschlossene Seele im Tode dieses zeitlichen Lebens festhalte.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger