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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
124. Vortrag

8.

[S. 1180] „Dies ist der Jünger, der davon Zeugnis gibt und dieses geschrieben hat, und wir wissen, daß sein Zeugnis wahr ist. Es gibt aber“, sagt er, „noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. Würde man diese alle einzeln beschreiben, so könnte, glaube ich, die Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären.“ Nicht dem äußeren Umfange nach, ist anzunehmen, könnte die Welt nicht fassen, was geschrieben werden könnte ― aber wie sollte es in ihr geschrieben werden, wenn sie das Geschriebene nicht tragen könnte? ― sondern durch die Fassungskraft der Leser könnte es vielleicht nicht begriffen werden, obwohl unbeschadet der Zuverlässigkeit der Dinge die Worte häufig den Glauben zu übersteigen scheinen1. Das trifft nicht zu, wenn etwas, was dunkel oder zweifelhaft war, durch Hervorhebung der Ursache oder der Art und Weise erklärt wird, sondern wenn das, was klar ist, entweder vergrößert oder verkleinert wird, ohne daß man jedoch vom Wege der darzustellenden Wahrheit abweicht, weil die Worte die Sache, die sie ausdrücken, so überschreiten, daß die Absicht eines Redenden und nicht eines Täuschenden deutlich hervortritt, welcher wohl weiß, bis zu welcher Grenze man noch glaubt und von wo an über die Grenze der Glaubhaftigkeit hinaus durch einen Ausdruck etwas entweder verkleinert oder vergrößert wird. Diese Art zu reden nennen mit einem griechischen Namen die Lehrer nicht bloß der griechischen, sondern auch der lateinischen Schriftkunde „Hyperbel“. Diese Ausdrucksweise findet sich wie hier so auch in einigen anderen göttlichen Schriften, wie z. B.: „Sie legten ihren Mund an den Himmel“2, und: „Die in ihren Missetaten über den Haarscheitel Hinausgehenden“3, und vieles dergleichen, was der Heiligen Schrift nicht fremd ist, wie noch andere Tropen, d. h. Redewendungen. Davon würde ich ausführlicher handeln, wenn ich nicht, da der Evangelist sein Evangelium schließt, gleichfalls genötigt wäre, meine Rede zu schließen.

1: Gemeint sind hyperbolische Ausdrücke, wie im folgenden näher erklärt wird.
2: Ps. 72, 9 [hebr. Ps. 73, 9].
3: Ps. 67, 22 [hebr. Ps. 68, 22]. Die obige Übersetzung im Sinne Augustins.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger