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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
124. Vortrag

7.

Niemand jedoch trenne diese ausgezeichneten Apostel. Sowohl in dem, was Petrus sinnbildete, waren beide, als auch in dem, was Johannes sinnbildete, sollten einmal beide sein. Durch die sinnbildliche Darstellung folgte dieser nach, blieb jener; im Glauben aber ertrugen beide die gegenwärtigen Übel dieses Elends, [S. 1179] erwarteten beide die zukünftigen Güter jener Seligkeit. Und nicht bloß sie, sondern die ganze heilige Kirche, die Braut Christi, tut das; sie soll von diesen Versuchungen befreit, in jener Seligkeit bewahrt werden. Dieses zweifache Leben sinnbildeten Petrus und Johannes, jeder das seine; aber sowohl in diesem wandelten beide eine Zeitlang im Glauben, als auch werden beide jenes auf ewig in der Anschauung genießen. Für alle zum Leibe Christi unzertrennlich gehörenden Heiligen also hat, wegen der Durchquerung dieses sehr stürmischen Lebens, der erste der Apostel, Petrus, um die Sünde binden und lösen zu können, die Schlüssel des Himmelreiches erhalten, und für all dieselben Heiligen ist, wegen des ganz ruhigen Schoßes jenes verborgenen Lebens, der Evangelist Johannes an der Brust Christi gelegen. Denn weder dieser allein, sondern die gesamte Kirche bindet und löst die Sünden1, noch jener allein trank von der Quelle der Brust des Herrn, um es in der Predigt zu verkünden, das Wort, das im Anfange war, Gott bei Gott, und die übrigen erhabenen Wahrheiten von der Gottheit Christi und von der Dreiheit und Einheit der ganzen Gottheit, welche in jenem Reiche von Angesicht zu Angesicht zu schauen, jetzt aber, bis der Herr kommt, im Spiegel und Rätsel zu betrachten sind, sondern der Herr selbst hat eben dieses Evangelium auf dem ganzen Erdkreise ausgebreitet, damit es all die Seinen, jeder nach seiner besonderen Fassungskraft, trinken. Es hat übrigens einige Schrifterklärer gegeben, und zwar keine solche, die zu verachten sind, welche meinten, der Apostel Johannes sei von Christus deshalb mehr geliebt worden, weil er keine Frau genommen und von frühester Jugend an ganz keusch gelebt habe2. Dafür findet sich zwar in den kanonischen Schriften kein bestimmter Anhaltspunkt, allein für die Angemessenheit dieser Meinung spricht doch auch der Umstand, daß durch ihn jenes Leben gesinnbildet wird, wo keine Ehen sein werden.

1: Nicht Petrus allein, sondern die gesamte Kirche macht in ihren Vorstehern und Hirten Gebrauch von der Schlüsselgewalt.
2: Hieronymus, C. Jovinianum l. 1. n. 26.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger