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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
124. Vortrag

6.

Aber auf diese Weise wird gezeigt, warum Christus mehr den Johannes als den Petrus geliebt hat, nicht warum Petrus mehr als Johannes Christus geliebt hat. Denn wenn Christus in der künftigen Welt, wo wir mit ihm ohne Ende leben werden, uns mehr liebt als in dieser, aus welcher wir errettet werden, um immer dort zu sein, so werden wir ihn dann deshalb nicht weniger lieben, wann wir besser sein werden, da wir ja auf keine [S. 1178] andere Weise als durch größere Liebe zu ihm besser sein können. Warum also liebte ihn Johannes weniger als Petrus, wenn er jenes Leben sinnbildlich darstellte, in dem er noch viel mehr geliebt werden soll, als weil deshalb gesagt wurde: „Ich will, daß er bleibe“, d. h. warte, „bis ich komme“, weil wir gerade auch die Liebe, die dann viel größer sein wird, noch nicht haben, sondern als eine zukünftige erwarten, um sie, wenn er kommen wird, zu haben? Denn wie derselbe Apostel in seinem Briefe sagt: „Noch ist nicht erschienen, was wir sein werden; wir wissen aber, daß, wenn es erscheinen wird, wir ihm ähnlich sein werden, da wir ihn sehen werden, wie er ist“1. Dann also werden wir, was wir sehen werden, mehr lieben. Der Herr selbst aber, der unser zukünftiges Leben, wie es in uns sein wird, kennt, liebt in der Vorherbestimmung mehr, um uns durch seine Liebe dorthin zu führen. Darum, weil alle Wege des Herrn Barmherzigkeit und Wahrheit sind2, kennen wir unser gegenwärtiges Elend, weil wir sie fühlen, und deshalb lieben wir die Barmherzigkeit des Herrn, von der wir wollen, daß er sie uns zur Befreiung aus unserem Elend erweise, mehr und erflehen und empfangen sie täglich besonders zur Vergebung der Sünden; dies ist durch Petrus gesinnbildet, der mehr liebt, aber weniger geliebt wird, weil uns Christus weniger liebt in diesem Elende als in der Seligkeit. Die Anschauung der Wahrheit aber, wie sie dann sein wird, lieben wir weniger, weil wir sie noch nicht kennen und nicht haben; diese ist durch Johannes gesinnbildet, der weniger liebt und darum sowohl auf sie selbst wie auf die Erfüllung der Liebe zu ihr in uns, wie sie sein soll, wartet, bis der Herr kommt, aber mehr geliebt wird, weil das, was durch ihn dargestellt wird, selig macht.

1: 1 Joh. 3, 2.
2: Ps. 24, 10 [hebr. Ps. 25, 10].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger