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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
124. Vortrag

3.

Indessen lassen wir die Meinung in ihrem Recht, die wir mit sicheren Beweisen nicht zu widerlegen [S. 1170] vermögen, damit nicht etwas anderes, worüber man uns fragen könnte, sich erhebt: warum über dem beerdigten Toten die Erde selbst gewissermaßen zu leben und zu atmen scheine. Aber wird denn dadurch unsere so große Frage gelöst, wenn durch ein großes Wunder, wie sie der Allmächtige vollbringen kann, der lebendige Leib so lange im Schlafe unter der Erde ist, bis das Ende der Welt kommt? Im Gegenteil, es entsteht die größere und schwierigere Frage, warum Jesus dem Jünger, den er mehr als die andern liebte, so sehr, daß er an seiner Brust liegen durfte, wie ein großes Geschenk einen langen Schlaf im Leibe verlieh, während er den seligen Petrus durch den gewaltigen Ruhm des Martyriums von der Last dieses Leibes befreite und ihm das gewährte, was der Apostel Paulus ersehnte, wie er selbst sagt und schreibt: „Ich wünsche aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein“1. Wenn aber, was mehr Glauben verdient, deshalb der heilige Johannes sagt, der Herr habe nicht gesagt: „Er stirbt nicht“, damit man nicht meine, er habe durch jene Worte, die er gesprochen, dies verstanden wissen wollen, und sein Leib in seinem Grabe entseelt wie der anderer Toten liegt, so bleibt nur übrig, daß, wenn dort wirklich geschieht, was die Sage betreffs der Erde ausstreute, welche bei wiederholentlicher Wegnahme nachwächst, dies entweder darum geschieht, damit auf diese Weise sein „kostbarer Tod“2 ans Licht gestellt werde, weil ihn nicht das Martyrium ziert (denn es hat ihn nicht für den Glauben Christi der Verfolger getötet), oder wegen etwas anderem, das uns verborgen ist. Es bleibt indes die Frage, warum der Herr von einem Menschen, der sterben sollte, gesagt hat: „So will ich, daß er bleibe, bis ich komme“.

1: Phil. 1, 23.
2: Ps. 115, 5 [= Sept.; Vulg. 115, 14; hebr. Ps. 116, 14].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger