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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
124. Vortrag

2.

Aber wenn einer Lust hat, könnte er noch widerstehen und sagen, es sei wahr, was Johannes sagt, der Herr habe nämlich nicht ausdrücklich gesagt: Er stirbt nicht, aber es sei dies doch mit jenen Worten ausgedrückt worden, die er ihm in den Mund legt; und er könnte behaupten, der Apostel Johannes lebe, und sich darauf steifen, daß er in jenem Grabe, welches bei Ephesus ist, vielmehr schlafe als tot daliege. Er könnte zum Beweise anführen, daß dort die Erde, wie man berichtet, gelegentlich sprudle und gleichsam aufwalle, und er könnte beharrlich oder hartnäckig beteuern, das geschehe durch sein Aufatmen. Denn es mögen solche nicht fehlen, die es glauben, wenn es nicht an solchen fehlt, die behaupten, auch Moses lebe, weil geschrieben steht, sein Grab finde sich nicht1, und weil er mit dem Herrn auf dem Berge erschien, wo auch Elias war2, von dem wir lesen, [S. 1169] daß er nicht gestorben, sondern entrückt worden sei3. Als ob der Leib des Moses nicht irgendwo so hätte verborgen werden können, daß sein Ort den Menschen gänzlich verborgen blieb, und von da auf kurze Zeit durch göttliche Macht erweckt werden, als er und Elias bei Christus erschienen, wie auch bei dem Leiden Christi auf kurze Zeit viele Leiber der Heiligen auferstanden und nach seiner Auferstehung vielen in der heiligen Stadt erschienen, wie geschrieben steht4. Aber doch, wie ich zu sagen angefangen hatte, wenn einige den Tod des Moses verneinen, dessen Hinscheiden die Schrift selbst dort, wo wir lesen, sein Grab finde sich nirgends, ohne alle Zweideutigkeit bezeugt, um wieviel mehr wird von Johannes aus Anlaß jener Worte, wie der Herr sagt: „So will ich, daß er bleibe, bis ich komme“, geglaubt, er schlafe lebendig unter der Erde? Von ihm geht auch die Sage (was sich in einigen, allerdings apokryphen Schriften findet), er sei, als er sich sein Grab machen ließ, lebend zugegen gewesen und habe sich, als es gegraben und aufs sorgfältigste zubereitet war, daselbst wie in ein Bett gelegt und sei sogleich gestorben; wie aber diese, welche die Worte des Herrn in der gedachten Weise verstehen, meinen, sei er nicht gestorben, sondern einem Toten ähnlich dagelegen, und da er für tot gehalten wurde, sei er schlafend beerdigt worden; und bis zur Wiederkunft Christi bleibe er so und gebe sein Leben durch das Aufsprudeln des Staubes kund. Von diesem Staube glaubt man, er werde, damit er von der Tiefe zur Oberfläche des Grabhügels emporsteige, durch den Atem des dort Ruhenden getrieben. Gegen diese Meinung anzukämpfen halte ich für überflüssig. Denn die den Ort kennen, mögen sehen, ob dort die Erde das tue oder zulasse, was man sagt, weil wir auch in der Tat nicht von leichtfertigen Menschen das vernommen haben.

1: Deut. 34, 6.
2: Matth. 17, 3.
3: 4 Kön. 2, 11 [= 2 Kön. nach neuerer Zählart].
4: Matth. 27, 52 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger