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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
123. Vortrag

4.

„Als sie gegessen hatten, sprach er zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er sagte: Ja, Herr, Du weißt, daß ich Dich liebe. Er sprach zu ihm: Weide meine Lämmer. Er sprach zu ihm wiederum: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er sagte zu ihm: Ja, Herr, Du weißt, daß ich Dich liebe. Er sprach zu ihm: Weide meine Lämmer. Er sprach zu ihm zum dritten Male: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil er ihn zum dritten Male fragte: Liebst du mich? und sprach zu ihm: Du weißt alles; du weißt, daß ich Dich liebe. Er sprach zu ihm: Weide meine Schafe. Wahrlich, wahrlich ich sage dir, da du jung warst, gürtetest du dich und wandeltest, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Dies aber sagte er, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde.“ Diesen Ausgang fand jener Verleugner und [S. 1162] Liebhaber, der durch Selbstvertrauen Vermessene, durch Verleugnung Gefallene, durch Weinen Gereinigte, durch Bekenntnis Erprobte, durch Leiden Gekrönte; diesen Ausgang fand er, daß er für den Namen dessen in vollkommener Liebe starb, mit dem er sterben zu wollen in unpassender Eile beteuert hatte. Der durch seine Auferstehung Gestärkte möge nun tun, was der Schwache in übereilter Weise versprach. So mußte es ja sein, daß zuerst Christus für das Heil des Petrus, dann Petrus für die Verkündigung Christi starb. Denn verkehrt war, was menschliche Unbesonnenheit zu wagen begonnen hatte, da doch die Wahrheit diese Ordnung festgesetzt hatte. Sein Leben für Christus hingeben zu wollen, meinte Petrus1, für den Befreier der der Befreiung Bedürftige, obwohl doch Christus gekommen war, sein Leben zu opfern für alle Seinigen, unter welchen auch Petrus war. Siehe, das ist bereits geschehen. Jetzt werde die wahre Festigkeit des Herzens zur Übernahme des Todes für den Namen des Herrn mit seiner Hilfe erlernt, nicht eine falsche zu unserer eigenen Täuschung in Anspruch genommen. Nun ist es an dem, daß wir den Untergang dieses Lebens nicht fürchten, da durch die Auferstehung des Herrn das Vorbild eines andern Lebens vorausging. Jetzt ist es Zeit, Petrus, daß du den Tod nicht scheuest, weil der lebt, den du als tot betrauertest und dem du für uns zu sterben aus fleischlicher Liebe wehrtest2. Du wagtest dem Führer zuvorzukommen, es graute dir vor seinem Verfolger; jetzt, wo bereits der Lösepreis für dich erlegt ist, jetzt ist es Zeit, daß du dem Loskäufer nachfolgst und ihm ganz nachfolgst bis zum Tode des Kreuzes. Du hast die Worte dessen gehört, den du schon als wahrhaft erprobt hast; der hat dir dein Leiden vorausgesagt, der dir deine Verleugnung vorausgesagt hat.

1: Joh. 13, 37.
2: Matth. 16, 21 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger