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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
121. Vortrag

5.

„Thomas aber, einer von den Zwölfen, Didymus genannt, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Es sagten also die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht an seinen Händen das Mal der Nägel sehe und meinen Finger in die Stelle der Nägel lege und meine Hand in seine Seite lege, so werde ich nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger wieder drinnen und Thomas bei ihnen. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen und stand mitten da und sprach: Friede sei mit euch! Dann sagt er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott.“ Er sah und berührte den Menschen, und er bekannte Gott, den er nicht sah und nicht berührte; aber durch das, was er sah und berührte, [S. 1146] glaubte er nun nach Beseitigung des Zweifels auch jenes. „Jesus sprach zu ihm: Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt.“ Er sagt nicht: du hast mich berührt, sondern: „du hast mich gesehen“, weil das Gesicht gewissermaßen ein allgemeiner Sinn ist. Denn auch bei den vier andern Sinnen pflegt man es zu nennen; wie wenn wir sagen: Hör’ und sieh, wie gut es klingt; riech und sieh, wie gut es riecht; koste und sieh, wie gut es schmeckt; taste und sieh, wie es gut warm ist. Überall hört man „sieh“, obwohl man nicht leugnet, daß das Sehen den Augen zukommt. Darum sagt auch hier der Herr: „Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände“, und was sagt er damit anders als: Taste und sieh? Und doch hatte jener keine Augen im Finger. Also durch Sehen oder auch durch Betasten: „Weil du mich gesehen hast“, sagt er, „hast du geglaubt“. Wiewohl man sagen könnte, der Jünger habe nicht gewagt, ihn zu berühren, als jener sich zum Berühren darbot; denn es steht nicht geschrieben: Und Thomas berührte ihn. Aber mag er nun bloß durch Anschauen oder auch durch Berühren gesehen und geglaubt haben, das Folgende verkündet und empfiehlt mehr den Glauben der Heiden: „Selig, die nicht gesehen und geglaubt haben“. Worte der vergangenen Zeit gebrauchte er als der, welcher das noch Künftige in seiner Vorherbestimmung schon als geschehen erkannte. Aber es soll nunmehr dafür gesorgt werden, daß diese Rede nicht länger dauert; der Herr wird geben, daß wir das übrige ein anderes Mal behandeln.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger