Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium) 119. Vortrag
6. "Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht." Was ist vollbracht worden als das, was die Prophetie solange vorher vorausgesagt hatte? Hierauf, weil nichts mehr übrig war, was vor seinem Tode noch geschehen mußte, "gab er" als derjenige, der die Macht hatte, sein Leben hinzugeben und es wiederum zu nehmen1 , nach Vollendung von alle dem, dessen Eintreten er noch erwartete, "mit geneigtem Haupte den Geist auf". Wer entschläft so, wann er will, wie Christus gestorben ist, wann er wollte? Wer legt so sein Kleid ab, wann er will, wie er sein Fleisch auszog, wann er wollte? Wer scheidet so, wann er will, wie er verschied, wann er wollte? Wie sehr muß man auf die Macht des Richters hoffen oder die fürchten, wenn die des Sterbenden so groß sich zeigte?
1: Joh 10,18
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