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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
116. Vortrag

9.

Denn „die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König als den Kaiser. Da übergab er ihnen denselben, daß er gekreuzigt würde“. Ganz offenbar nämlich würde er gegen den Kaiser vorzugehen scheinen, wenn er denjenigen, die beteuerten, sie hätten keinen [S. 1117] andern König als den Kaiser, einen andern König aufnötigen würde dadurch, daß er den ungestraft freiläßt, den sie ihm wegen solcher Bestrebungen zur Tötung überantwortet hatten. „Da übergab er ihnen denselben, daß er gekreuzigt würde.“ Aber wollte er denn etwas anderes auch vorher, da er sprach: „Nehmet ihr ihn und kreuziget ihn“, oder weiter oben: „Nehmet ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetze“? Warum aber sträubten sich jene dagegen so sehr, indem sie sagten: „Es ist uns nicht erlaubt, jemand zu töten“1, und auf alle Weise darauf bestanden, daß er nicht von ihnen, sondern von dem Landpfleger getötet würde, und eben aus diesem Grunde ihn zur Tötung anzunehmen sich weigerten, wenn sie ihn jetzt doch zur Tötung annehmen? Oder wenn das nicht geschieht, warum heißt es: „Da nun übergab er ihnen denselben, daß er gekreuzigt würde“? Oder ist da ein Unterschied? Gewiß, es ist ein Unterschied. Denn es heißt nicht: „Da nun übergab er ihnen denselben“, daß sie ihn kreuzigten, sondern: „daß er gekreuzigt würde“, d. h. daß er durch das Urteil und die Gewalt des Landpflegers gekreuzigt würde. Aber deshalb sagt der Evangelist, er sei ihnen übergeben worden, um sie als Teilnehmer an dem Verbrechen, von dem sie sich loszumachen suchten, darzustellen; denn Pilatus würde es nicht tun, außer um das, was sie verlangten, zu erfüllen. Was aber folgt: „Sie nahmen Jesus und führten ihn hinaus“, kann man schon auf die Soldaten beziehen, die Diener des Landpflegers. Denn hernach heißt es genauer: „Als ihn nun die Soldaten gekreuzigt hatten“, obwohl übrigens der Evangelist, wenn er auch das Ganze den Juden zuschreibt, mit Recht so verfährt; denn sie selbst haben auf sich genommen, was sie so begierig forderten, und sie selbst haben getan, was auf ihr Drängen hin geschah. Aber dies soll in einer andern Rede abgehandelt werden.

1: Joh. 18, 31.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger