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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
115. Vortrag

5.

[Forts. v. [S. 1111] ] „Pilatus sprach zu ihm: Was ist Wahrheit?“ Und er wartete nicht, um die Antwort zu hören, sondern „als er dies gesagt hatte, ging er abermals hinaus zu den Juden und sagte zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. Es ist aber Gewohnheit bei euch, daß ich euch einen freigebe am Osterfeste; wollt ihr also, daß ich euch den König der Juden freigebe?“ Ich glaube, als Pilatus gesagt hatte: „Was ist Wahrheit?“, sei ihm plötzlich die Gewohnheit der Juden, wonach ihnen auf Ostern einer freigegeben zu werden pflegte, eingefallen, und darum wartete er nicht, daß Jesus ihm antwortete auf die Frage, was Wahrheit sei, damit kein Verzug entstehe, nachdem er sich der Sitte erinnert hatte, wonach er ihnen auf Ostern freigegeben werden könnte. Und es ist klar, daß er dies sehr wünschte. Jedoch konnte aus seinem Geiste der Gedanke nicht vertilgt werden, Jesus sei der König der Juden, gleich als wäre dies dort, wie auf dem Kreuzestitel von der Wahrheit selbst befestigt worden, bezüglich welcher er gefragt hatte, was sie sei. Allein als sie das hörten, „schrieen wiederum alle und sagten: Nicht diesen, sondern den Barabbas! Es war aber Barabbas ein Räuber“. Wir tadeln nicht, o Juden, daß ihr auf Ostern den Schuldigen befreit, sondern daß ihr den Unschuldigen tötet. Doch wenn dies nicht geschähe, würde das wahre Pascha nicht stattfinden. Aber der Schatten der Wahrheit wurde von den irrenden Juden festgehalten, und durch die wunderbare Fügung der göttlichen Weisheit wurde durch trügerische Menschen die Wahrheit eben dieses Schattens zu Erfüllung gebracht. Denn, damit das wahre Pascha stattfände, wurde Christus wie ein Schaf geschlachtet. ― Hierauf folgen die Unbilden, welche Pilatus und seine Schar Christus antaten. Davon soll in einer andern Rede gehandelt werden.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger