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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
115. Vortrag

2.

Höret also, Juden und Heiden, höre Beschneidung, höre Vorhaut, höret es alle irdischen Reiche: Ich verhindere nicht eure Herrschaft in dieser Welt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. Fürchtet nicht mit jener eitlen Furcht, in welcher jener ältere Herodes bei [S. 1108] der Nachricht von der Geburt Christi erschrack und, damit ihn der Tod erreichte, so viele Kinder umbringen ließ1, mehr grausam aus Furcht als aus Wut. „Mein Reich“, sagt er, „ist nicht von dieser Welt“. Was wollt ihr mehr? Kommt zu dem Reiche, das nicht von dieser Welt ist; kommt im Glauben und wütet nicht aus Furcht. Er sagt zwar in der Prophetie von Gott dem Vater: „Ich aber bin von ihm eingesetzt als König über Sion, seinen heiligen Berg“2; allein jenes Sion und jener heilige Berg ist nicht von dieser Welt. Denn welches ist sein Reich als die an ihn Glaubenden, zu welchen er spricht: „Ihr seid nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin“?3 Wiewohl er wollte, daß sie in der Welt seien, weshalb er von ihnen zum Vater sprach: „Ich bitte nicht, daß Du sie wegnehmest von der Welt, sondern daß Du sie bewahrest vor dem Bösen“4. Darum sagt er auch hier nicht: „Mein Reich ist nicht“ in dieser Welt, sondern: „nicht von dieser Welt“. Und da er dies bewies mit den Worten: „Wenn mein Reich von dieser Welt wäre, würden ja meine Diener kämpfen, damit ich den Juden nicht überliefert würde“, sagt er nicht: „Nun aber ist mein Reich“ nicht hier, sondern „nicht von hier“. Hier ist nämlich sein Reich bis zum Ende der Welt, sofern es untereinander gemischt Unkraut enthält bis zur Ernte; denn die Ernte ist das Ende der Welt, wo die Schnitter, d. h. die Engel, kommen und aus seinem Reiche alle Ärgernisse sammeln werden5. Das würde gewiß nicht geschehen, wenn sein Reich nicht hier wäre. Aber es ist doch nicht von hier, weil es in der Welt nur pilgert. Zu seinem Reiche sagt er ja: „Ihr seid nicht von der Welt, sondern ich habe euch von der Welt auserwählt“6. Sie waren also von der Welt, als sie noch nicht sein Reich waren, sondern dem Fürsten der Welt angehörten. Von der Welt also ist an den Menschen alles, was von dem wahren Gott zwar [S. 1109] erschaffen, aber aus dem verderbten und verdammten Stamme Adams geboren ist; sein Reich aber, das nicht mehr von dieser Welt ist, ist alles geworden, was davon in Christus wiedergeboren ist. Denn so hat Gott uns aus der Gewalt der Finsternis entrissen und in das Reich des Sohnes seiner Liebe versetzt7. Von diesem Reiche sagt er: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, oder: „Mein Reich ist nicht von hier“.

1: Matth. 2, 3. 16.
2: Ps. 2, 6 [hebr. Ps. 2, 6].
3: Joh. 17, 16.
4: Joh. 17, 15.
5: Matth. 13, 38―41.
6: Joh. 15, 19.
7: Kol. 1, 13.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger