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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
112. Vortrag

5.

„Simon Petrus nun, der ein Schwert hatte, zog es, schlug einen Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Knecht hieß aber Malchus.“ Nur dieser Evangelist hat auch den Namen des Knechtes angegeben; wie nur Lukas berichtet, daß der Herr sein Ohr berührte und ihn heilte1. Malchus aber wird übersetzt: ein Herrschender. Was bedeutet also das wegen des Herrn abgehauene und vom Herrn geheilte Ohr als das durch Entfernung des früheren Zustandes erneuerte Gehör, damit es in der Neuheit des Geistes sei und nicht in der Veraltung des Buchstabens?2 Und wem dies von Christus verliehen worden, wer zweifelt, daß dieser mit Christus herrschen wird? Daß er aber als Knecht erfunden wurde, auch dies bezieht sich auf jene Veraltung, die zur Knechtschaft gebiert, was die Agar ist3. Aber als die Heilung hinzukam, wurde auch die Freiheit gesinnbildet. Der Herr tadelte jedoch die [S. 1093] Tat des Petrus und verhinderte ihn noch weiter zu gehen, indem er sprach: „Stecke das Schwert in die Scheide. Soll ich den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, nicht trinken?“ Durch seine Tat wollte nämlich jener Jünger den Meister verteidigen, dachte aber nicht daran, was sie sinnbilden sollte. Es sollte also sowohl jener zur Geduld ermahnt als auch dies zum richtigen Verständnis aufgezeichnet werden. Wenn er aber sagt, es sei ihm vom Vater der Kelch des Leidens gegeben worden, so ist das ohne Zweifel das, was der Apostel sagt: „Wenn Gott für uns, wer ist wider uns? Der seines eigenen Sohnes nicht geschont hat, sondern ihn für uns alle hingegeben hat“4. Jedoch der Urheber dieses Kelches ist auch er selbst, der ihn trinkt. Deshalb sagt der nämliche Apostel abermals: „Christus hat uns geliebt und sich selbst für uns als Gabe und Opfer an Gott zum lieblichen Geruche hingegeben“5.

1: Luk. 22, 51.
2: Röm. 7, 6.
3: Gal. 4, 24.
4: Röm. 8, 31 f.
5: Eph. 5, 2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger