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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
111. Vortrag

1.

Zu einer großen Hoffnung richtet der Herr die Seinigen auf, eine Hoffnung, die größer ist als jede andere. Höret und seid freudig in der Hoffnung, weshalb dieses Leben nicht zu lieben, sondern zu ertragen ist, damit ihr in der Trübsal desselben geduldig sein könnt1. Höret, sage ich, und gebt acht, wohin unsere Hoffnung erhoben wird. Christus Jesus sagt es; der eingeborene Sohn Gottes, der ebenso ewig ist wie der Vater und ihm gleich, sagt es; der unsertwegen Mensch geworden ist, aber nicht „wie jeder Mensch lügenhaft“2 geworden ist, sagt es; der Weg, die Wahrheit und das Leben3 sagt es; der die Welt besiegt hat4, sagt es von denen, für die er gesiegt hat; höret, glaubet, hoffet, verlanget das, was er sagt: „Vater“, spricht er, „die Du mir gegeben hast, ― ich will, daß, wo ich bin, auch sie mit mir seien“. Wer sind diejenigen, von welchen er sagt, daß sie ihm vom Vater gegeben worden sind? Nicht jene, von welchen er an einer andern Stelle sagt: „Niemand kommt zu mir, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht“?5 Wie er nun das, was nach seiner Versicherung der Vater tut, selbst auch mit dem Vater tut, das ist uns schon bekannt, wenn wir in diesem Evangelium Fortschritte gemacht haben. Die also sind es, die er vom Vater empfing, die er auch selbst [S. 1081] von der Welt erwählte, und zwar erwählte zu dem Zwecke, damit sie nicht mehr von der Welt seien, wie auch er nicht von der Welt ist, damit sie jedoch auch selbst die Welt seien, die glaubt und erkennt, daß Christus von Gott dem Vater gesandt ist, damit die Welt von der Welt befreit würde, damit nicht die mit Gott zu versöhnende Welt mit der feindlichen Welt verdammt würde. Denn so sagt er zu Beginn dieses Gebetes: „Du hast ihm die Macht gegeben über alles Fleisch“, d. h. über alle Menschen, „damit er allen, die Du ihm gegeben hast, das ewige Leben gebe“6. Hier zeigt er, er habe zwar die Macht über alle Menschen empfangen, um zu befreien, die er will, um zu verurteilen, die er will, er, der Richter der Lebendigen und der Toten, aber alle diejenigen seien ihm gegeben, welchen er das ewige Leben gibt. Denn so sagt er: „Damit er allen, die Du ihm gegeben hast, das ewige Leben gebe“. Folglich sind die ihm nicht gegeben, welchen er das ewige Leben nicht geben wird, obwohl auch über sie dem die Macht gegeben ist, dem die Macht über alles Fleisch gegeben ist, d. h. über alle Menschen. So wird die versöhnte Welt von der feindlichen Welt befreit werden, wenn er gegen diese seine Macht geltend macht, um sie dem ewigen Tode zu überantworten, jene aber zu der seinigen macht, um ihr das ewige Leben zu geben. Darum verhieß der gute Hirt durchaus allen seinen Schafen, das große Haupt allen seinen Gliedern diesen Lohn, daß, wo er ist, auch sie mit ihm seien; und es kann nicht unerfüllt bleiben, was der allmächtige Sohn dem allmächtigen Vater als seinen Willen kundgegeben hat. Denn daselbst ist auch der Heilige Geist, gleichfalls ewig, gleichfalls Gott, der eine Geist beider und der substanzielle Wille beider. Denn was er, wie zu lesen ist, beim Herannahen des Leidens gesprochen hat: „Jedoch nicht, was ich will, sondern was Du willst, Vater“7 ― als ob ein anderer der Wille des Vaters, ein anderer der des Sohnes sei oder gewesen sei ― das ist die Stimme unserer, wenn auch gläubigen Schwachheit, [S. 1082] welche unser Haupt in sich abgebildet hat, da er ja auch unsere Sünden trug. Daß aber einer sei der Wille des Vaters und des Sohnes, denen auch der eine Geist angehört, mit dessen Hinzufügung wir die Trinität erkennen, soll, wenn es auch die Schwachheit noch nicht erkennen kann, der fromme Sinn glauben.

1: Röm. 12, 12.
2: Ps. 115, 2 (11) [= hebr. Ps. 116, 11].
3: Joh. 14, 6.
4: Joh. 16, 33.
5: Joh. 6, 44.
6: Joh. 17, 2.
7: Matth. 26, 39.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger