Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
110. Vortrag

7.

Wiewohl es übrigens nicht an solchen fehlt, die uns sogar den Engeln vorziehen, weil, sagen sie, Christus für uns, nicht für Engel gestorben ist. Doch was heißt das anders, als mit der Gottlosigkeit sich rühmen wollen? "Denn Christus ist", wie der Apostel sagt, "in der Zeit für die Gottlosen gestorben"1 . Hier wird uns also nicht unser Verdienst, sondern Gottes Barmherzigkeit vor Augen gestellt. Denn was soll das sein, sich deshalb rühmen zu wollen, weil man durch seine Laster so schmählich krank wurde, daß man nichts anders als durch den Tod des Arztes geheilt werden konnte? Das ist nicht der Ruhm unserer Verdienste, sondern die Arznei unserer Krankheiten. Oder ziehen wir uns deshalb den Engeln vor, weil, obwohl auch sie gesündigt haben, ihnen kein solches Heilmittel gewährt wurde? Gleich als ob ihnen nur wenig gewährt worden wäre, und uns mehr. Und wenn auch dies geschehen wäre, so könnte man noch fragen, ob es deshalb geschehen sei, weil wir erhabener dastanden, oder weil wir hoffnungsloser daniederlagen. Da wir aber wissen, daß der Schöpfer alles Guten zur Wiederherstellung der bösen Engel keine Gnade verliehen hat, warum sollen wir daraus nicht vielmehr ersehen, daß ihre Schuld um so mehr als eine verdammungswürdige erklärt wurde, je erhabener die Natur war? Denn sie hätten um so weniger als wir sündigen sollen, je vortrefflicher sie waren als wir. Nun aber sind sie durch Beleidigung des Schöpfers um so verwerflicher undankbar gegen seine Gnade geworden, je gnadenreicher sie erschaffen wurden; und es war ihnen nicht genug, ihm untreu zu werden, sie wollten auch noch unsere Verführer werden. Dieses große Gut also wird er uns verleihen, der uns geliebt hat, wie er Christus geliebt hat, damit wir wegen ihm, dessen Glieder wir sein sollten, den heiligen Engeln gleich seien2 , denen gegenüber wir von Natur niedriger erschaffen sind und überdies durch die Sünde zu unwürdig wurden, als daß wir irgendwie ihre Genossen werden sollten.

1: Röm 5,6
2: Lk 20,36

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. Mehr
. 102. Vortrag
. 103. Vortrag
. 104. Vortrag
. 105. Vortrag
. 106. Vortrag
. 107. Vortrag
. 108. Vortrag
. 109. Vortrag
. 110. Vortrag
. . Einleitung.
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. 111. Vortrag
. 112. Vortrag
. 113. Vortrag
. 114. Vortrag
. 115. Vortrag
. 116. Vortrag
. 117. Vortrag
. 118. Vortrag
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger