Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium) 107. Vortrag
5. Er empfiehlt sie also dem Vater, die er durch körperliche Abwesenheit verlassen will, indem er spricht: "Heiliger Vater, erhalte sie in Deinem Namen, die Du mir gegeben hast". Als Mensch nämlich bittet er Gott für seine Jünger, die er von Gott empfing. Aber gib acht, was folgt: "Damit sie", sagt er. "eins seien, wie auch wir". Er sagt nicht: damit sie mit uns eins seien, oder: damit sie und wir eins seien, wie wir eins sind, sondern er sagt: "Damit sie eins seien, wie auch wir". Sie freilich sollen in ihrer Natur eins sein, wie auch wir in unserer Natur eins sind. Dies würde er ohne Zweifel nicht in Wahrheit sagen, wenn er es nicht insofern sagen würde, als er seiner Gottheit nach von derselben Natur ist wie auch der Vater in diesem Sinne sagt er anderswo: "Ich und der Vater sind eins"1 : nicht insofern, als er auch Mensch ist in diesem Sinne sagt er: "Der Vater ist größer als ich"2 . Aber weil Gott und der Mensch eine und dieselbe Person ist, so denken wir und den Menschen darin, daß er betet, denken uns aber Gott darin, daß er und jener, welchen er bittet, eins sind. Aber es ist noch im folgenden eine Stelle, wo darüber einläßlicher zu behandeln ist.
1: Joh 10,30 2: Joh 14,28
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