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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Zweites Buch
XIII. Kapitel

59.

1. Es ist also nur der Schein von Buße, nicht wirkliche Buße, wenn man oft um Verzeihung für die häufig von uns begangenen Verfehlungen bittet.1 "Die Gerechtigkeit macht die Wege untadelig und gerade", ruft die Schrift mit lauter Stimme,2 und an einer anderen Stelle: "Die Gerechtigkeit des Unschuldigen wird seinen Weg gerade machen."3

2. Und in der Tat, wie David schreibt: "Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten."4

3. Daher "werden, die in Tränen säen, mit dem Frohlocken" derer "ernten",5 die in ihrer Buße bekennen: "Denn selig sind alle, die den Herrn fürchten."6 Siehst du, wie die Seligpreisung denen im Evangelium ähnlich ist?

4. "Fürchte dich nicht", so heißt es, "wenn ein Mensch reich wird und wenn sich die Pracht seines Hauses mehrt! Denn wenn er stirbt, wird er dies alles nicht mit sich nehmen, und seine Pracht wird nicht mit ihm hinabsteigen."7

5. "Ich werde aber durch dein Erbarmen in dein Haus kommen; ich werde in deiner Furcht vor deinem heiligen Tempel anbeten. O Herr, führe mich durch deine Gerechtigkeit!"8

[S. 195] 6. Trieb ((xxx) hormä) ist die Bewegung des Denkens zu etwas hin oder von etwas weg. Leidenschaft ((xxx) pathos) dagegen ist ein übermäßiger oder das vernünftige Maß überschreitender Trieb oder ein von der Vernunft sich losreißender oder ihr ungehorsamer Trieb. Die Leidenschaften sind also eine naturwidrige Bewegung der Seele entsprechend einem Ungehorsam gegen die Vernunft. Das Abweichen und Abgehen (von der Vernunft) und der Ungehorsam stehen in unserer Macht, ebenso wie auch der Gehorsam in unserer Nacht steht; deshalb werden auch die Taten des freien Entschlusses gerichtet. Jedenfalls wird man, wenn man so jede einzelne Leidenschaft genau untersucht, finden, daß sie unvernünftige Regungen sind.9

1: 57,3; 58,3 Schlußsatz; 59,1 ist Sacr. Par 221 f. Holl; zu 57,3-59,1 vgl. Hermas, Mand. IV 3.
2: Spr 11,5a.
3: Andere Übersetzungen des gleichen Verses; vgl. ebd. 13,6.
4: Ps 102,13.
5: Ebd. 126,5.
6: Ebd. 127,1.
7: Ebd. 48,17f.
8: Ebd. 5,8f.
9: Der letzte Satz stünde besser nach dem zweiten Satz dieses Abschnittes (nach "ihr ungehorsamer Trieb"); Mayor und Postgate wollen den Text dementsprechend ändern.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger