Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
105. Vortrag

3.

„Dies aber“, sagt er, „ist das ewige Leben, daß sie Dich erkennen, den alleinigen wahren Gott, und den Du gesandt hast, Jesus Christus“. Die Ordnung der Worte ist diese: „Daß sie Dich und den Du gesandt hast, Jesus Christus, als den alleinigen wahren Gott erkennen“. Folgeweise wird allerdings auch der Heilige Geist mitverstanden, weil er der Geist des Vaters und des Sohnes ist als die wesentliche und gleichwesentliche Liebe beider. Denn der Vater und der Sohn sind nicht zwei Götter, noch der Vater und der Sohn und der Heilige Geist drei Götter, sondern die Trinität selbst ist der alleinige wahre Gott. Und doch ist der Vater nicht derselbe wie der Sohn, noch der Sohn derselbe wie der [S. 1040] Vater, noch der Heilige Geist derselbe wie der Vater und der Sohn, weil der Vater und der Sohn und der Heilige Geist drei sind, aber die Trinität selbst ist der eine Gott. Wenn Dich also der Sohn in der Weise verherrlicht, „wie Du ihm die Macht über alles Fleisch gegeben hast“, und Du sie ihm so gegeben hast, „daß er allen, die Du ihm gegeben hast, das ewige Leben gebe“, und „dies das ewige Leben ist, daß sie Dich erkennen“, so verherrlicht Dich demnach der Sohn so, daß er Dich allen, die Du ihm gegeben hast, bekannt macht. Wenn sodann die Erkenntnis Gottes das ewige Leben ist, so trachten wir um so mehr zu leben, je mehr wir in dieser Erkenntnis zunehmen. Im ewigen Leben aber werden wir nicht sterben; dann also wird die Erkenntnis Gottes vollkommen sein, wenn kein Tod mehr sein wird. Am höchsten wird dann die Verklärung Gottes sein, weil am höchsten die Herrlichkeit ist, die griechisch δόξα [doxa] heißt. Davon heißt es auch δόξασον [doxason], was einige lateinische Übersetzer mit clarifica, andere mit glorifica wiedergegeben haben. Von den Alten aber ist Ruhm (Herrlichkeit), wodurch die Menschen ruhmreich (herrlich) heißen, so bestimmt worden: Ruhm ist ein großer Ruf über jemand, verbunden mit Lob. Aber wenn ein Mensch gelobt wird, weil man dem Rufe glaubt, wie wird Gott gelobt werden, wenn man ihn selber sehen wird! Deshalb steht geschrieben: „Selig, die wohnen in Deinem Hause; in Ewigkeit werden sie Dich loben“1. Dort wird die Lobpreisung Gottes ohne Ende sein, wo die Erkenntnis Gottes vollkommen sein wird; und weil eine vollkommene Erkenntnis, darum auch die höchste Verklärung oder Verherrlichung.

1: Ps. 83, 5 [hebr. Ps. 84, 5].

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. Mehr
. 97. Vortrag
. 98. Vortrag
. 99. Vortrag
. 100. Vortrag
. 101. Vortrag
. 102. Vortrag
. 103. Vortrag
. 104. Vortrag
. 105. Vortrag
. . Einleitung.
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. 106. Vortrag
. 107. Vortrag
. 108. Vortrag
. 109. Vortrag
. 110. Vortrag
. 111. Vortrag
. 112. Vortrag
. 113. Vortrag
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger