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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
104. Vortrag

3.

Die Verherrlichung des Sohnes durch den Vater finden einige darin, daß er ihn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat1 . Allein wenn man sagt, er sei durch das Leiden verherrlicht worden, um wieviel mehr durch die Auferstehung! Denn im Leiden tritt mehr seine Erniedrigung als seine Verherrlichung hervor, wie der Apostel bezeugt, indem er sagt: "Er hat sich selbst erniedrigt, indem er gehorsam wurde bis zum Tode, bis zum Tode aber des Kreuzes", worauf er fortfährt und bereits von seiner Verherrlichung sagt: "Darum hat ihn Gott auch erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, so daß im Namen Jesu sich beugen alle Knie derer, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen; daß der Herr Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters ist"2 . Das ist die Verherrlichung unseres Herrn Jesu Christi, welche mit seiner Auferstehung den Anfang nahm. Seine Erniedrigung also beginnt bei den Worten des Apostels dort, wo er sagt: "Er hat sich selbst erniedrigt, indem er Knechtsgestalt annahm", und hinkommt bis: "zum Tode des Kreuzes". Seine Verherrlichung aber beginnt dort, wo er sagt: "Darum hat ihn Gott auch erhöht", und hinkommt bis: "in der Herrlichkeit Gottes des Vaters". Denn wenn man die griechischen Handschriften einsieht, aus welchen die Briefe der Apostel ins Lateinische übersetzt worden sind, so findet man, daß das Wort, welches hier gloria lautet, dort doxa lautet. Hiervon ist auch das Zeitwort im Griechischen abgeleitet, wonach es heißt: doxason, was der lateinische Übersetzer mit clarifica wiedergibt, obwohl er auch glorifica hätte sagen können, was dieselbe Bedeutung hat. Und darum hätte auch in dem Briefe des Apostels, wo gloria steht, claritas gesetzt werden können, und wenn es geschehen wäre, würde es dasselbe bedeuten. Um aber vom Wortlaut nicht abzugehen, so wird wie clarificatio von claritas, so glorificatio von gloria abgeleitet. Damit also der Mittler zwischen Gott und den Menschen Christus Jesus, durch die Auferstehung verklärt oder verherrlicht würde, ist er vorher durch das Leiden erniedrigt worden; denn er wäre von den Toten nicht auferstanden, wenn er nicht gestorben wäre. Durch die Erniedrigung hat er sich die Verklärung verdient, und die Verklärung ist der Lohn der Erniedrigung. Aber dies ist in der Knechtsgestalt geschehen, in der Gottesgestalt aber war immer und wird immer die Klarheit sein, oder vielmehr sie war nicht, als ob sie nicht mehr sei, noch auch wird sie sein, als ob sie noch nicht sei, sondern ohne Anfang und ohne Ende ist die Klarheit immer. Wenn er also sagt: "Vater, die Stunde ist gekommen, verherrliche Deinen Sohn", so ist das so zu verstehen, als habe er gesagt: Die Stunde ist gekommen, die Erniedrigung zu säen, verschiebe nicht die Frucht der Verklärung! Aber was heißt das Folgende: "Damit Dein Sohn Dich verherrliche"? Hat etwa auch Gott der Vater die Erniedrigung des Fleisches oder Leidens erduldet, woraus er verklärt werden mußte? Wie also sollte der Sohn den verklären, dessen immerwährende Klarheit weder infolge der menschlichen Gestalt geringer erscheinen konnte noch in der göttlichen größer sein könnte? Aber diese Frage möchte ich nicht in diese Rede einzwängen noch deshalb dieselbe weiter ausdehnen.

1: Röm 8,32
2: Phil 2,7-22

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger