Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
103. Vortrag

3.

Sodann diese große und umfangreiche Rede schließend, sagt er: „Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir den Frieden habet. In der Welt werdet ihr Bedrängnis haben; aber vertrauet, ich habe die Welt überwunden“. Anfangen sollte diese Bedrängnis mit dem, worüber er vorher, um sie als Kinder zu erweisen, für welche wegen mangelnder Einsicht und richtigen Verständnisses gewissermaßen alles Große und Göttliche in seiner Rede Gleichnisse waren, gesagt hatte: „Glaubt ihr jetzt? Siehe, es kommt die Stunde, und sie ist schon gekommen, daß ihr euch zerstreut, jeder in das Seinige“. Siehe, der Anfang der Bedrängnis, die aber nicht in dieser Weise fortdauern sollte. Denn was er beifügte: „Und mich allein lasset“, will nicht sagen, sie seien solche, daß sie in der kommenden Bedrängnis, welche sie nach seiner Himmelfahrt in der Welt erdulden sollten, ihn verlassen, sondern daß sie in ihm Frieden haben würden, indem sie in ihm bleiben. Denn bei seiner Gefangennehmung haben sie nicht nur mit ihrem Fleische sein Fleisch, sondern auch mit dem Geiste den Glauben verlassen. Darauf bezieht sich sein Wort: „Glaubet ihr jetzt? Siehe, es kommt die Stunde, daß ihr euch zerstreut in das Eigene, und mich verlasset“, als wollte er sagen: Dann werdet ihr so bestürzt werden, daß ihr sogar, was ihr jetzt glaubet, verlasset. [S. 1032] Sie gerieten ja in einen solchen Kleinmut und sozusagen Absterben ihres früheren Glaubens, wie er an jenem Kleophas sich zeigte, welcher, nicht wissend, daß er mit ihm rede, und sein Erlebnis ihm erzählend, sagte: „Wir hofften, daß er Israel erlösen werde“1. Siehe, wie sie ihn verlassen hatten, indem sie sogar den Glauben aufgaben, womit sie an ihn geglaubt. Bei jener Bedrängnis aber, welche sie nach seiner Verherrlichung durch den Empfang des Heiligen Geistes überstanden, verließen sie ihn nicht, und obwohl sie von einer Stadt in die andere flohen, flohen sie doch nicht von ihm weg, sondern damit sie, in der Welt Bedrängnis erleidend, in ihm den Frieden hätten, erwiesen sie sich ihm gegenüber nicht als Flüchtlinge, sondern nahmen vielmehr zu ihm die Zuflucht. Dadurch nämlich, daß ihnen der Heilige Geist erteilt wurde, geschah an ihnen, was jetzt zu ihnen gesagt wurde: „Vertrauet, ich habe die Welt überwunden“. Sie haben vertraut und gesiegt. In wem außer in ihm? Denn nicht hätte Christus die Welt besiegt, wenn die Welt seine Glieder besiegen würde. Daher sagt der Apostel: „Gott sei Dank, der uns den Sieg gibt“, und sogleich fügt er bei: „Durch unsern Herrn Jesus Christus“2, der zu den Seinigen gesagt hatte: „Vertrauet, ich habe die Welt überwunden“.

1: Luk. 24, 21.
2: 1 Kor. 15, 57.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. Mehr
. 95. Vortrag
. 96. Vortrag
. 97. Vortrag
. 98. Vortrag
. 99. Vortrag
. 100. Vortrag
. 101. Vortrag
. 102. Vortrag
. 103. Vortrag
. . Einleitung.
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. 104. Vortrag
. 105. Vortrag
. 106. Vortrag
. 107. Vortrag
. 108. Vortrag
. 109. Vortrag
. 110. Vortrag
. 111. Vortrag
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger