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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
102. Vortrag

3.

[Forts. v. [S. 1024] ] „Das“, sagt er, „habe ich in Gleichnissen zu euch geredet; es kommt die Stunde, da ich nicht mehr in Gleichnissen zu euch reden, sondern offen euch von meinem Vater verkünden werde“. Ich könnte sagen, unter dieser Stunde, von welcher er redet, müsse man die künftige Welt verstehen, wo wir offen sehen werden, was der Apostel mit den Worten ausdrückt: „Von Angesicht zu Angesicht“, so daß mit dem Satze: „Das habe ich in Gleichnissen zu euch geredet“, das gemeint sei, was derselbe Apostel sagt: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel im Rätsel“1; mit dem Satze aber: „Ich werde es euch verkünden“, daß der Vater durch den Sohn gesehen werden wird, wie er ja auch anderswo sagt: „Niemand kennt den Vater als der Sohn, und wem es der Sohn offenbaren will“2. Allein diesen Sinn scheint das Folgende unmöglich zu machen: „An jenem Tage werdet ihr in meinem Namen bitten“. In der künftigen Welt nämlich, wenn wir zum Reiche gelangt sind, wo wir ihm gleichen werden, da wir ihn sehen werden, wie er ist3, um was sollen wir da noch bitten, wo unser Verlangen mit Gütern gesättigt sein wird?4 Daher heißt es auch in einem andern Psalm: „Ich werde gesättigt werden, wenn Deine Herrlichkeit sich offenbaren wird“5. Denn Bitten verrät Bedürfnis, und ein solches wird dort nicht vorhanden sein, wo Sättigung ist.

1: 1 Kor. 13, 12.
2: Matth. 11, 27.
3: 1 Joh. 3, 2.
4: Ps. 102, 5 [hebr. Ps. 103, 5].
5: Ps. 16, 15 [hebr. Ps. 17, 15].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger