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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
99. Vortrag

6.

Hier möchte nun vielleicht einer fragen, ob der Heilige Geist auch vom Sohne ausgeht. Denn der Sohn ist bloß der Sohn des Vaters, und der Vater ist bloß der Vater des Sohnes, der Heilige Geist aber ist nicht der Geist bloß eines derselben, sondern beider. Du hörst den Herrn selbst sagen: „Denn nicht ihr seid es, die da reden, sondern der Geist eures Vaters ist es, der in euch redet“1; du hörst auch den Apostel reden: „Gott hat den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesandt“2. Sind es etwa zwei, ein Geist des Vaters und ein Geist des Sohnes? Das sei ferne. Denn „ein Leib“, sagt er, um die Kirche zu bezeichnen, und sofort fügt er bei: „und ein Geist“. Und siehe, wie er dort die Trinität vollendet. „Wie ihr berufen seid“, sagt er, „in einer Hoffnung eurer Berufung“. „Ein Herr“ ― hier wollte er natürlich Christus verstanden wissen; es bleibt noch übrig, daß er auch den Vater nenne; es folgt darum: „Ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der da ist über alle und durch alle und in uns allen“3. Da also, wie ein Vater und ein Herr, d. i. Sohn ist, so auch ein Geist ist, so ist er in der Tat der Geist beider, indem ja Christus selbst sagt: „Der Geist eures Vaters, der in euch redet“, und der Apostel sagt: „Er hat den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesandt“. Du hörst, wie an einer andern Stelle derselbe Apostel spricht: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt“. Hier wollte er sicherlich den Geist des Vaters verstanden wissen, von dem er jedoch an einer andern Stelle sagt: „Wer [S. 1008] immer den Geist Christi nicht hat, der ist nicht sein“4. Und es gibt noch viele andere Zeugnisse, woraus klar zu ersehen ist, daß derjenige, der in der Trinität der Heilige Geist heißt, der Geist sowohl des Vaters wie des Sohnes ist.

1: Matth. 10, 20.
2: Gal. 4, 6.
3: Eph. 4, 4―6.
4: Röm. 8, 11. 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger