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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
99. Vortrag

5.

Es soll auch kein Bedenken erregen, daß das Zeitwort in der Zukunft gesetzt ist. Es heißt nämlich nicht: Was er gehört hat, oder: was er hört, sondern: „was er hören wird, das wird er reden“. Dieses Hören ist ja ewig, weil es ein ewiges Wissen ist. Bei dem aber, was ewig ist, ohne Anfang und ohne Ende, mag ein Zeitwort in einer beliebigen Zeit stehen, sei es in der Vergangenheit oder Gegenwart oder Zukunft, es steht so nicht unwahr. Denn obwohl bei jener unveränderlichen und unaussprechlichen Natur kein „war“ und „wird sein“ zutrifft, sondern nur „ist“ ― denn sie ist wahrhaft, weil sie sich nicht ändern kann, und es daher auch nur ihr zukam zu sagen: „Ich bin, der ich bin“, und: „Sage zu den Söhnen Israels: Der da ist, hat mich zu euch gesandt“1 ―, so sagen wir doch wegen der Veränderlichkeit der Zeiten, in denen unsere Sterblichkeit und Veränderlichkeit sich bewegt, nicht in unwahrer Weise: er war, er wird sein, er ist. Er war in den vergangenen Jahrhunderten, er ist in den gegenwärtigen, er wird in den zukünftigen sein. Er war, weil er niemals nicht war; er wird sein, weil er niemals nicht sein wird; er ist, weil er immer ist. Denn er ist weder, als wäre er nicht mehr, mit den vergangenen untergegangen, noch geht er mit den gegenwärtigen, als würde er nicht bleiben, dahin, noch wird er mit den künftigen, als ob er nicht gewesen wäre, aufgehen (entstehen). Da nun nach dem Wechsel der Zeiten auch die menschliche Ausdrucksweise wechselt, so werden von Gott, da er zu keiner Zeit nicht sein konnte oder kann oder sein wird, die Worte in jeder Zeit richtig gebraucht. Immer [S. 1007] also hört der Heilige Geist, weil er immer weiß; folglich hat er gewußt, weiß er und wird er wissen, und darum hat er gehört, hört er und wird er hören, weil für ihn, wie schon gesagt, das Hören soviel ist als das Wissen, und das Wissen soviel als das Sein. Von jenem also hat er gehört, hört er und wird er hören; von jenem ist er, von dem er ausgeht.

1: Exod. 3, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger