Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium) 97. Vortrag
3. Daher empfiehlt auch ihre schändlichen Gebräuche den durch sakrilegische Neugier getäuschten oder zu täuschenden Menschen die Unterweisung in magischen Künsten. Daher werden jene unerlaubten Weissagungen aus den eingesehenen Eingeweiden getöteter Tiere oder den Stimmen und dem Flug der Vögel oder den vielgestaltigen Zeichen der Dämonen den Ohren der zum Untergang bestimmten Menschen durch den Verkehr mit Verkommenen eingeflüstert. Wegen dieser unerlaubten und strafbaren Geheimnisse wird jenes Weib nicht bloß "töricht", sondern auch "keck" gemacht. Aber diese Dinge haben nicht allein mit der Sache, sondern auch mit den Namen unserer Religion nichts zu tun. Was soll ich dazu sagen, daß dieses törichte und kecke Weib unter einem christlichen Namen so viele ruchlose Häresien gegründet, so viel schändliche Fabeln erdichtet hat? O wären es wenigstens nur solche, wie sie in den Theatern gesungen, getanzt oder in mimischer Possenreißerei belacht werden, und nicht zuweilen auch solche, welche sogar gegen Gott erfunden werden konnten, so daß wir die darin sich kundgebende Torhheit bejammern und über die Frechheit uns wundern. Alle diese so albernen Häretiker aber, die sich gerne Christen nennen lassen, suchen die Frechheiten iher Erdichtungen, vor welchen schon das menschliche Gefühl im höchsten Grade zurückschaudert, unter dem Vorwande des evangelischen Ausspruches zu beschönigen, wo der Herr sagt: "Ich habe euch noch vieles zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen", als ob eben dies jene Dinge seien, welche die Jünger nicht ertragen konnten, und als ob der Heilige Geist das gelehrt habe, was öffentlich zu lehren und zu verkünden trotz all seiner Frechheit der unreine Geist sich schämt.
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