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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
95. Vortrag

4.

Er wird sie auch überführen "wegen des Gerichtes, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist". Wer ist dieser als eben der, von dem er an einer andern Stelle sagt: "Siehe, es kommt der Fürst der Welt, und er wird an mir nichts finden"1 , d.h. nichts, worauf er ein Recht hat, was ihm zugehört, nämlich durchaus keine Sünde? Durch diese ist ja der Teufel der Fürst der Welt. Denn nicht von Himmel und Erde und allem, was darin ist, ist der Teufel der Fürst, in welcher Bedeutung die Welt gemeint ist, wo es heißt: "Und die Welt ist durch ihn gemacht worden", sondern Fürst ist der Teufel von der Welt, von welcher der Evangelist dasselbe weiterfahrend sagt: "Und die Welt hat ihn nicht erkannt"2 , d.h. die ungläubigen Menschen, von welchen auf dem ganzen Erdkreis die Welt voll ist; unter diesen seufzt die gläubige Welt, die der von der Welt auserwählt hat, durch welchen die Welt gemacht worden ist, von der er selbst sagt: "Der Menschensohn ist nicht gekommen, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde"3 . Die Welt wird durch ihn, den Richter, verdammt, die Welt wird durch ihn, den Helfer, gerettet, weil wie der Baum von Blättern und Früchten, wie die Tenne von Spreu und Weizen, so die Welt voll von Ungläubigen und Gläubigen ist. Der Fürst dieser Welt also, d.i. der Fürst dieser Finsternis, nämlich der Ungläubigen, von welchen die Welt gerettet wird, zu welchen gesagt wird: "Ihr waret einst Finsternis, jetzt aber Licht im Herrn"4 ; der Fürst dieser Welt, von dem er anderswo sagt: "Jetzt ist der Fürst dieser Welt hinausgestoßen"5 ist allerdings gerichtet, weil er unwiderruflich zum Gericht des ewigen Feuers bestimmt ist. Mit diesem Gerichte also, wodurch der Fürst der Welt gerichtet ist, wird die Welt vom Heiligen Geiste überführt, da sie mit ihrem Fürsten gerichtet wird, den die stolze und gottlose Welt nachahmt. "Wenn nämlich Gott", sagt der Apostel Petrus, "die sündigenden Engel nicht verschont, sondern, in den Kerker der höllischen Finsternis sie verstoßend, überliefert hat, um zur Bestrafung im Gerichte aufbewahrt zu werden"6 , wie wird nicht mit diesem Gerichte vom Heiligen Geist die Welt überführt, da der Apostel dies im Heiligen Geiste redet? Es mögen also die Menschen an Christus glauben, damit sie nicht wegen der Sünde ihres Unglaubens gerügt werden, durch die alle Sünden behalten werden; sie mögen übergehen zur Zahl der Gläubigen, damit sie nicht wegen der Gerechtigkeit derer gerügt werden, die sie als Gerechtfertigte nicht nachahmen; sie mögen sich hüten vor dem künftigen Gerichte, damit sie nicht mit dem Fürsten der Welt gerichtet werden, den sie als einen schon Gerichteten nachahmen. Denn damit der unbeugsame Stolz der Sterblichen nicht meine, er werde Schonung finden, muß er mit der Strafe der stolzen Engel geschreckt werden.

1: Joh 14,30
2: Joh 1,10
3: Joh 3,17
4: Eph 5,8
5: Joh 12,31
6: 2 Petr 2,4

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger