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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
94. Vortrag

4.

„Aber weil ich dies zu euch geredet habe“, sagt er, „hat Traurigkeit euer Herz erfüllt“. Er sah wohl, was diese seine Worte in ihren Herzen bewirkten; sie besaßen nämlich noch nicht innerlich jenen geistigen Trost, den sie durch den Heiligen Geist haben sollten, und darum fürchteten sie das zu verlieren, was sie äußerlich an Christus sahen, und weil sie nicht zweifeln konnten, daß sie den, der Wahres verkündete, verlieren würden, betrübte sich ihr menschliches Gemüt, da der fleischliche Anblick ihnen entzogen wurde. Jener aber wußte, was ihnen mehr nützte, weil der innere Anblick sicherlich besser ist, womit sie der Heilige Geist trösten sollte, er, der den Leibern der Schauenden nicht einen menschlichen Leib darbieten, sondern sich selbst in die Herzen der Gläubigen eingießen sollte. Schließlich setzt er hinzu: „Aber ich sage euch die Wahrheit, es ist gut für euch, daß ich hingehe. Denn wenn ich [S. 968] nicht hingehe, wird der Tröster nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden“, als wollte er sagen: Es ist gut für euch, daß diese Knechtsgestalt von euch weggenommen wird; zwar wohne ich als das Fleisch gewordene Wort unter euch, aber ich will nicht, daß ihr mich immer noch fleischlich liebet und, mit dieser Milch zufrieden, immer Kinder zu sein verlanget. „Es ist gut für euch, daß ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, wird der Tröster zu euch nicht kommen“. Wenn ich euch die zarten Speisen, mit denen ich euch genährt habe, nicht entziehe, werdet ihr keinen Hunger haben nach der festen Speise; wenn ihr an dem Fleische fleischlich hängt, werdet ihr für den Geist nicht empfänglich sein. Denn was heißt: „Wenn ich nicht hingehe, wird der Tröster nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn euch senden“? Konnte er ihn etwa, während er hier weilte, nicht senden? Wer wollte das behaupten? War er doch von da, wo jener war, nicht fortgegangen, und er war nicht so vom Vater gekommen, daß er nicht im Vater blieb. Endlich, wie sollte er nicht auch hier weilend den senden können, der, wie wir wissen, auf ihn nach der Taufe herabkam und über ihm blieb1, oder vielmehr von dem er, wie uns wohl bekannt, niemals getrennt werden konnte? Was heißt also: „Wenn ich nicht hingehe, wird der Tröster nicht zu euch kommen“, als: Ihr könnt den Geist nicht empfangen, solange ihr darauf beharrt, Christus nach dem Fleische kennen zu lernen? Darum sagt jener, welcher den Geist bereits empfangen hatte: „Obwohl wir Christus nach dem Fleische kannten, kennen wir ihn jetzt nicht mehr so“2. Er kannte nämlich auch das Fleisch Christi nicht nach dem Fleische, der da das Fleisch gewordene Wort geistig kannte. Dies wollte in der Tat der gute Lehrer andeuten durch die Worte: „Denn wenn ich nicht hingehe, wird der Tröster nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden“.

1: Joh. 1, 32.
2: 2 Kor. 5, 16.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger