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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
93. Vortrag

4.

Dieser Sinn also liegt in den Worten: „Sie werden euch aus den Synagogen stoßen“, aber fürchtet nicht die Vereinsamung; getrennt nämlich von ihren Versammlungen werdet ihr so viele in meinem Namen versammeln, daß jene in der Furcht, es möchte der Tempel, der bei ihnen war, und alle Sakramente des Alten Bundes verlassen werden, euch töten, indem sie so euer Blut vergießen, daß sie Gott einen Dienst zu erweisen meinen. Siehe, das ist es, was der Apostel von ihnen gesagt hat: „Sie haben Eifer für Gott, aber nicht nach Einsicht“1; sie meinen Gott einen Dienst zu erweisen, wenn sie die Diener Christi töten. O schrecklicher Irrtum! Also um Gott zu gefallen, schlägst du den, der Gott gefällt, und der lebendige Tempel Gottes wird durch deinen Schlag niedergestreckt, damit der steinerne Tempel Gottes nicht verlassen wird? O entsetzliche Verblendung! Aber nur zum Teil ist sie über Israel gekommen, damit die Fülle der Heiden eintrete2; zum Teil, sage ich, ist sie erfolgt, nicht im Ganzen. Denn nicht alle, sondern einige von den Zweigen wurden gebrochen, damit der wilde Ölzweig eingepfropft würde3. Denn als die Jünger Christi, vom Heiligen Geiste erfüllt, in den Sprachen aller Völker redeten, als durch sie häufig göttliche Wunder geschahen und göttliche Reden verbreitet wurden, ist Christus, obwohl getötet, so geliebt worden, daß seine Jünger, von den Versammlungen der Juden ausgeschlossen, auch aus den Juden selbst eine ungeheure Menge versammelten und keine Vereinsamung fürchteten4. Darüber nun entbrannt, haben die übrigen, die Verworfenen und Blinden, [S. 964] die zwar Eifer für Gott hatten, aber nicht nach Einsicht, und Gott einen Dienst zu erweisen glaubten, jene getötet. Allein der für sie getötet wurde, hat sie gesammelt, er, der sie über die zukünftigen Dinge noch vor seinem Tode belehrt hatte, damit nicht ihre unkundigen und unvorbereiteten Gemüter durch die unerwarteten und unvorhergesehenen, wenn auch schnell vorübergehenden Übel verwirrt, sondern durch die vorhererkannten und geduldig übernommenen zu den ewigen Gütern geführt würden. Denn daß dies die Ursache davon gewesen sei, daß er ihnen das vorher ankündigte, hat er auch selbst gezeigt durch die beigefügte Bemerkung: „Aber dies habe ich zu euch geredet, damit ihr, wenn die Stunde davon kommt, euch daran erinnert, daß ich es euch gesagt habe“: die Stunde davon, die finstere Stunde, die nächtliche Stunde. Allein „am Tage entbot der Herr seine Barmherzigkeit, und in der Nacht klärte er sie auf“5, da ja die Nacht der Juden den von ihnen abgesonderten Tag der Christen durch keine Verwirrung verdunkelte, und da sie wohl das Fleisch töten, aber den Glauben nicht verfinstern konnte.

1: Röm. 10, 2.
2: Röm. 11, 25.
3: Röm. 11, 17.
4: Apg. 2―4.
5: Ps. 41, 9 [hebr. Ps. 42, 9].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger