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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
93. Vortrag

2.

Sodann bereits darauf hinweisend, was sie leiden sollten, sagt er: „Sie werden euch aus den Synagogen stoßen“. Was war es aber Schlimmes für die Apostel, von den jüdischen Synagogen ausgeschlossen zu werden, als ob sie nicht im Sinne gehabt hätten, sich von ihnen zu trennen, auch wenn sie keiner ausstoßen würde? Allein er wollte ohne Zweifel dies ankündigen, daß die Juden Christus nicht aufnehmen würden, von dem sich jene nicht trennen wollten, und daß darum die, welche ohne ihn nicht sein konnten, von jenen, welche in ihm nicht sein wollten, mit ihm hinausgestoßen werden würden. Denn fürwahr, weil kein anderes das Volk Gottes war als jener Same Abrahams, so würden sie, wenn sie [S. 960] Christus anerkennen und aufnehmen würden, als die natürlichen Zweige im Ölbaume bleiben1, und nicht andere die Kirchen Christi, andere die Synagogen der Juden sein; sie wären ja dieselben, wenn sie in demselben hätten sein wollen. Weil sie das nicht wollten, was blieb da anders übrig, als daß sie, außer Christus bleibend, aus den Synagogen diejenigen stießen, welche Christus nicht verließen? Durch den Empfang des Heiligen Geistes seine Zeugen geworden, würden sie ja sicherlich keine solchen sein, von welchen es heißt: „Viele der Oberen von den Juden glaubten an ihn, allein aus Furcht vor den Juden wagten sie nicht, ihn zu bekennen, damit sie nicht aus den Synagogen gestoßen würden; denn sie hatten die Ehre bei den Menschen lieber als die Ehre bei Gott“2. Diese glaubten also an ihn, aber nicht so, wie sie nach dem Willen desjenigen glauben sollten, der sagte: „Wie könnt ihr glauben, da ihr Ehre voneinander erwartet und die Ehre, die von Gott allein ist, nicht suchet?“3 Auf die Jünger also, die so an ihn glauben, daß sie, erfüllt vom Heiligen Geiste, d. i. mit der Gnadengabe Gottes, nicht aus der Zahl jener sind, welche „die Gerechtigkeit Gottes mißkennend und die eigene aufzustellen bestrebt, der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen sind“4, noch aus der Zahl derer, von welchen es heißt: „Sie hatten die Ehre bei den Menschen lieber als die Ehre bei Gott“, paßt jene Prophetie, welche sich an ihnen erfüllt findet: „Herr, im Lichte Deines Angesichtes werden sie wandeln und in Deinem Namen frohlocken den ganzen Tag, und durch Deine Gerechtigkeit werden sie erhöht werden; denn der Ruhm ihrer Stärke bist Du“5. Mit Recht also wird zu ihnen gesagt: „Sie werden euch aus den Synagogen stoßen“, jene nämlich, welche „Eifer für Gott haben, aber nicht nach Einsicht“6, welche aus [S. 961] Unkenntnis der Gerechtigkeit Gottes und in dem Streben, die ihrige aufzustellen, diejenigen ausstoßen, welche nicht durch ihre eigene Gerechtigkeit, sondern durch die Gerechtigkeit Gottes erhöht werden und, ausgestoßen von den Menschen, sich nicht schämen, weil der Ruhm ihrer Stärke er ist.

1: Röm. 11, 17.
2: Joh. 12, 42 f.
3: Joh. 5, 44.
4: Röm. 10, 3.
5: Ps. 88, 16. 18 [hebr. Ps. 89, 16. 18].
6: Röm. 10, 2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger