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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
93. Vortrag

1.

In dem, was diesem Abschnitt des Evangeliums vorausgeht, hat der Herr, da er seine Jünger zur Ertragung des Hasses der Feinde aufmunterte, sie zugleich durch sein eigenes Beispiel vorbereitet, damit sie durch seine Nachahmung standhafter würden, und er fügte bei und verhieß ihnen, daß der Heilige Geist kommen würde, der von ihm Zeugnis geben sollte, und er setzte hinzu, daß auch sie seine Zeugen werden sollten, allerdings durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes in ihnen. So nämlich sagt er: „Jener wird Zeugnis von mir geben, und ihr werdet Zeugnis geben“. Offenbar weil jener es geben wird, werdet auch ihr es geben; jener in euren Herzen, ihr in euren Reden; jener durch Erleuchtung, ihr durch die Predigt, damit erfüllt werden möchte: „In alle Welt ist ihr Schall ausgegangen“1. Zu wenig wäre es sicherlich gewesen, sie durch sein Beispiel zu ermuntern, wenn er sie nicht mit seinem Geiste erfüllt hätte. Kurz, der Apostel Petrus ist, obwohl er bereits vom Herrn die Worte vernommen hatte: „Der Knecht ist nicht größer als sein Herr; wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“2, und obwohl er in jenem eben dies schon sich erfüllen sah, worin er die Geduld seines Herrn, wenn das Beispiel allein genügen würde, nachahmen mußte, unterlegen und hat geleugnet, weil er nicht ertrug, was er jenen ertragen sah. Als er aber die Gabe des Heiligen [S. 959] Geistes empfing, predigte er den, welchen er verleugnet hatte, und den er zu bekennen sich gefürchtet hatte, fürchtete er nun nicht mehr zu bekennen. Denn vorher war er zwar durch das Beispiel belehrt worden, so daß er wußte, was sich ziemte, aber er war noch nicht mit Kraft ausgerüstet worden, um, was er wußte, zu tun; er war unterrichtet worden, daß er stehen sollte, aber er war nicht gestärkt, daß er nicht falle. Nachdem dies durch den Heiligen Geist geschehen war, verkündete er bis zum Tode den, welchen er aus Furcht vor dem Tode verleugnet hatte. Daher sagt der Herr in dem jetzt folgenden Kapitel, worüber wir nunmehr zu euch zu reden haben: „Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert“. Im Psalme wird nämlich gesungen: „Großen Frieden haben die, welche Dein Gesetz lieben, und es ist ihnen kein Ärgernis“3. Mit Recht also hat er nach Verheißung des Heiligen Geistes, durch dessen Wirksamkeit in ihrem Innern sie zu seinen Zeugen werden sollten, beigefügt: „Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert“. Denn wenn „die Liebe ausgegossen wird in unsern Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“4, entsteht ein großer Friede in denen, die sein Gesetz lieben, so daß sie kein Ärgernis erleiden.

1: Ps. 18, 5 [hebr. Ps. 19, 5].
2: Joh. 15, 20.
3: Ps. 118, 165 [hebr. Ps. 119, 165].
4: Röm. 5, 5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger