Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
89. Vortrag

4.

Aber ob die, welche es hörten, aber verachteten oder Widerstand leisteten, und zwar nicht bloß durch Widerspruch, sondern auch durch gehässige Verfolgung derer, von welchen sie es gehört hatten, zu denjenigen gehören, bezüglich welcher etwas leichter zu klingen scheint das Wort: „Sie werden gerichtet werden“, das ist die Frage. Allein wenn es etwas anderes ist, ohne das Gesetz zugrunde zu gehen, etwas anderes durch das Gesetz gerichtet zu werden, und wenn ersteres schwerer, letzteres aber leichter ist, dann ist ohne Zweifel diesen nicht die leichtere Strafe zuzuerkennen, weil sie auch nicht unter dem Gesetze gesündigt haben, sondern das Gesetz Christi überhaupt anzunehmen sich weigerten und dasselbe, soweit es auf sie ankommt, gänzlich [S. 944] zunichte machen wollten. Jene aber sündigen unter dem Gesetze, welche unter dem Gesetze sind, d. h. dasselbe annehmen und als heilig, als ein ehrwürdiges, gerechtes und gutes Gesetz erklären1, aber aus Schwachheit nicht tun, was sie doch als eine ganz berechtigte Forderung nicht bezweifeln können. Diese sind es, welche man vielleicht von dem Verderben derer absondern kann, die ohne das Gesetz sind, wenn anders der Ausspruch des Apostels: „Sie werden durch das Gesetz gerichtet werden“, so zu nehmen ist, als habe er gesagt: Sie werden nicht zugrunde gehen; dies wäre auffallend, wenn es sich so verhielte. Denn nicht von den Ungläubigen und Gläubigen war die Rede, daß er dies sagte, sondern von den Heiden und Juden. Diese werden, wenn sie nicht im Heiland, der gekommen ist, zu suchen, was verloren war2, sicherlich beide zum Verderben gehören, obwohl man sagen kann, die einen würden schwerer, die andern leichter zugrunde gehen, d. h. die einen würden schwerere, die andern leichtere Strafen in ihrem Verderben erdulden. Der nämlich geht, wie man sagt, für Gott verloren, der von jener Seligkeit, die er seinen Heiligen gibt, durch die Strafe ausgeschlossen wird. So groß aber ist die Verschiedenheit der Strafen als die Verschiedenheit der Sünden ist. Worin aber diese bestehe, beurteilt tiefer die göttliche Weisheit, als menschliches Mutmaßen es erforscht und ausspricht. Jedenfalls haben die, zu welchen Christus kam und redete, für die große Sünde des Unglaubens nicht jene Entschuldigung, daß sie sagen können: Wir haben ihn nicht gesehen, nicht gehört; sei es nun, daß diese Entschuldigung nicht angenommen würde von dem, dessen Gerichte unerforschlich sind, oder daß sie angenommen würde, wenn auch nicht damit sie von aller Verdammung befreit, aber doch einmal leichter verdammt würden.

1: Röm. 7, 12.
2: Luk. 19, 10.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. Mehr
. 81. Vortrag
. 82. Vortrag
. 83. Vortrag
. 84. Vortrag
. 85. Vortrag
. 86. Vortrag
. 87. Vortrag
. 88. Vortrag
. 89. Vortrag
. . Einleitung.
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. 90. Vortrag
. 91. Vortrag
. 92. Vortrag
. 93. Vortrag
. 94. Vortrag
. 95. Vortrag
. 96. Vortrag
. 97. Vortrag
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger