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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
89. Vortrag

1.

Vorher hatte der Herr zu seinen Jüngern gesagt: „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie mein Wort gehalten haben, werden sie auch das eurige halten; aber das alles werden sie euch tun wegen meines Namens, weil sie den nicht kennen, der mich gesandt hat“. Wenn wir aber fragen, von welchen der Herr dies gesagt habe, so finden wir, er sei zu diesen Worten gekommen durch die andern: „Wenn die Welt euch haßt, wisset, daß sie mich vor euch gehaßt hat“; durch die jetzige Bemerkung aber: „Wenn ich nicht gekommen wäre und zu ihnen geredet hätte, würden sie keine Sünde haben“, weist er deutlich genug auf die Juden hin. Von diesen also sagte er auch jenes; denn darauf deutet der Zusammenhang der Worte selbst hin. Von denen nämlich sagt er: „Wenn ich nicht gekommen wäre und zu euch geredet hätte, würden sie keine Sünde haben“, von welchen er sagte: „ Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie mein Wort gehalten haben, werden sie auch das eurige halten; aber das alles werden sie euch tun wegen meines Namens, weil sie den nicht kennen, der mich gesandt hat“; diesen Worten fügt er nämlich auch die weiteren bei: „Wenn ich nicht gekommen wäre und zu ihnen geredet hätte, würden sie keine Sünde haben“. Die Juden haben also Christus verfolgt, was das Evangelium ganz deutlich dartut; zu den Juden hat Christus geredet, nicht zu andern Völkern; diese also wollte er unter der Welt verstanden wissen, welche Christus und seine Jünger haßt, oder vielmehr nicht bloß diese allein, sondern er zeigte, daß sie auch zur nämlichen Welt [S. 942] gehören. Was heißt also: „Wenn ich nicht gekommen wäre und zu ihnen geredet hätte, würden sie keine Sünde haben“? Waren etwa die Juden ohne Sünde, bevor Christus zu ihnen im Fleische gekommen war? Wer möchte das behaupten, auch wenn er ein noch so großer Tor wäre? Vielmehr eine bestimmte große Sünde, nicht eine beliebige Sünde will er unter dem allgemeinen Namen verstanden wissen. Dies ist nämlich die Sünde, durch die alle Sünden behalten werden, und wer diese Sünde nicht hat, dem werden alle Sünden vergeben; dies ist aber die, daß sie nicht glaubten an Christus, der deshalb kam, damit man an ihn glaube. Diese Sünde hätten sie allerdings nicht, wenn er nicht gekommen wäre. Seine Ankunft nämlich ist, wie sie für die Glaubenden heilsam war, so für die Nichtglaubenden verderblich geworden; gleichsam als sei auch er, das Haupt und der Fürst der Apostel, das gewesen, was diese von sich gesagt haben: „Einigen zwar ein Geruch des Lebens zum Leben, andern aber ein Geruch des Todes zum Tode“1.

1: 2 Kor. 2, 16.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger