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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
88. Vortrag

4.

Ebenso kann man fragen, wenn auch die Bösen den Bösen eine Verfolgung bereiten wie z.B. gottlose Könige und Richter, während sie Verfolger der Frommen waren, sicherlich auch Mörder, Ehebrecher und sonstige Übeltäter, welche sie als Verletzer der öffentlichen Gesetze erkannten, straften, wie ist es zu verstehen, wenn der Herr sagt: "Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihrige lieben"?1 . Denn, die sie straft, liebt die Welt auch nicht, und in der Tat werden von ihr, wie wir sehen, die vorhin erwähnten Arten von Vebrechen häufig bestraft. Wie ist es also zu verstehen, außer so, daß die Welt einerseits in denen ist, von welchen solche Vebrechen bestraft werden, und anderseits die Welt in denen ist, von welchen solche Verbrechen geliebt werden? Jene Welt also, die aus den Bösen und Gottlosen besteht, haßt wowohl das Ihrige, und zwar in dem Teile der Menschen, welchem sie in den Verbrechen schadet, als auch liebt sie das Ihrige, und zwar in dem Teile der Menschen, welchem sie in eben diesen Mitschuldigen günstig ist. Also der Satz: "Das alles werden sie euch tun wegen meines Namens", ist entweder so gemeint: Wegen dessen ihr leidet, oder so: Wegen dessen auch sie es tun, weil sie auch dieses, während sie verfolgen, hassen. Und er fügte bei: "Weil sie den nicht kennen, der mich gesandt hat." Dies ist im Sinne jener Erkenntnis zu verstehen, worüber anderswo geschrieben steht: "Dich aber erkennen ist vollendete Weisheit"2 . Jene nämlich, welche mit dieser Erkenntnis den Vaterv kennen, von dem Christus gesandt wurde, verfolgen in keiner Weise diejenigen, welche Christus sammelt, weil auch sie mit ihnen von Christus gesammelt werden.

1: Joh 15,19
2: Wh 6,16

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger