Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium) 86. Vortrag
3. Und sehet, Teuerste, wie er nicht Gute erwählt, sondern die von ihm Erwählten zu Guten macht. "Ich", sagt er, "habe euch erwählt und gesetzt, daß ihr hingehet und Frucht bringt und eure Frucht bleibe". Ist das nicht jene Frucht, von welcher er schon gesagt hatte: "Ohne mich könnt ihr nichts tun"?1 . Er hat uns also erwählt und gesetzt, daß wir hingehen und Frucht bringen; wir hatten also keine Frucht, gemäß welcher er uns erwählen sollte. "Daß ihr hingehet", sagt er, "und Frucht bringet". Wir gehen hin, um Frucht zu bringen, und er selbst ist der Weg, auf dem wir gehen, und auf den er uns gesetzt hat, damit wir darauf gehen sollten. Sonach ist uns in allem seine Barmherzigkeit zuvorgekommen. "Und eure Frucht" sagt er, "soll bleiben, damit, um was ihr immer den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe". Es bleibe also die Liebe, denn sie ist unsere Frucht. Diese Liebe ist jetzt in der Sehnsucht da, noch nicht in der Erfüllung, und um was wir immer in dieser Sehnsucht im Namen des eingeborenen Sohnes bitten, gibt uns der Vater. Was aber zu empfangen zu unserem Heile nicht nützt, davon dürfen wir überzeugt sein, daß wir um dies nicht im Namen des Heilands bitten, sondern nur um das bitten wir im Namen des Heilands, was auf den Zweck unseres Heiles geht.
1: Joh 15,5
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