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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
84. Vortrag

1.

Die Vollendung der Liebe, womit wir uns gegenseitig lieben, meine teuersten Brüder, hat der Herr geschildert, da er sprach: „Eine größere Liebe hat niemand als diese, daß er sein Leben hingibt für seine Freunde“. Weil er also oben gesagt hatte: „Dies ist mein Gebot, daß ihr einander liebet, wie ich euch geliebt habe“, wozu er fügte, was ihr gehört habt: „Eine größere Liebe hat niemand als diese, daß er sein Leben hingibt für seine Freunde“, so folgt daraus, was derselbe Evangelist Johannes in seinem Briefe sagt, daß wir, wie Christus für uns sein Leben hingegeben hat, so auch wir für die Brüder das Leben hingeben müssen1, indem wir uns nämlich lieben, wie er uns geliebt hat, der da für uns sein Leben geopfert hat. In der Tat, das ist es, was in den Sprichwörtern Salomos zu lesen ist: „Wenn du dich zum Essen setzest am Tische eines Mächtigen, so gib acht und bedenke, was dir vorgesetzt wird; und so strecke deine Hand aus, wissend, daß du solches zubereiten mußt“2. Denn welches ist der Tisch des Mächtigen als der, von dem der Leib und das Blut desjenigen genommen wird, der sein Leben hingegeben hat für uns? Und was heißt sich zu Tische setzen, als demütig hinzutreten? Und was heißt achtgeben und bedenken, was dir vorgesetzt wird, als würdig eine so große Gnade erwägen? Und was heißt so die Hand ausstrecken, daß du weißt, daß du solches zubereiten mußt, als daß wir, gemäß dem bereits Gesagten, so wie Christus sein Leben für uns hingegeben hat, auch selbst das Leben für die Brüder hingeben müssen? Wie denn auch der Apostel [S. 922] Petrus sagt: „Christus hat für uns gelitten, uns ein Beispiel hinterlassend, daß wir seinen Fußtapfen folgen“3. Das heißt „solches zubereiten“. Das haben die heiligen Märtyrer in brennender Liebe getan, und wenn wir nicht nutzlos ihren Gedächtnisstätten Ehre erweisen und bei dem Mahle, wodurch auch sie gesättigt wurden, zum Tische des Herrn hinzutreten, so müssen nach ihrem Beispiele auch wir solches zubereiten. Darum ja gedenken wir ihrer bei diesem Tische nicht so, wie anderer, die im Frieden ruhen, daß wir für sie auch beten, sondern vielmehr so, daß sie für uns beten, damit wir ihren Fußtapfen nachfolgen; denn sie haben die Liebe erfüllt, von der Christus gesagt hat, daß es eine größere nicht geben könne. Solches nämlich erwiesen sie ihren Brüdern, was sie ihrerseits vom Tische des Herrn empfingen.

1: 1 Joh. 3, 16.
2: Spr. 23, 1. 2.
3: 1 Petr. 2, 21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger