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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
83. Vortrag

1.

Ihr habt gehört, Teuerste, wie der Herr zu seinen Jüngern sagt: „Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch sei, und eure Freude vollkommen werde“. Was ist die Freude Christi in uns, außer daß er sich würdigt, sich über und zu freuen? Und was ist unsere Freude, von der er sagt, sie soll vollkommen werden, außer die Gemeinschaft mit ihm? Darum hatte er zu Petrus gesagt: „Wenn ich dich nicht wasche, wirst du keine Gemeinschaft mit mir haben“1. Seine Freude also in uns ist die Gnade, welche er uns erwiesen hat; sie ist auch unsere Freude. Aber an dieser erfreute er sich schon von Ewigkeit her, da er uns erwählte vor Grundlegung der Welt2. Wir können auch nicht mit Recht sagen, daß seine Freude keine vollkommene war; denn nicht freute sich Gott je einmal unvollkommen. Aber jene Freude, die er hatte, war nicht in uns, weil wir weder, damit sie in uns sein könnte, schon existierten, noch auch, da wir zu sein anfingen, mit ihm zu sein anfingen. In ihm aber war sie immer, der sich in der untrüglichen Wahrheit seines Vorauswissens darüber freute, daß wir die Seinigen sein würden. Demnach hatte er schon eine vollkommene Freude über uns, als er sich, uns vorherwissend und vorherbestimmend, freute; denn es konnte in seiner Freude auch keine Furcht sein, es möchte vielleicht nicht geschehen, wovon er vorherwußte, daß er es tun werde. Aber auch da er dies zu tun anfing, wovon er vorherwußte, daß er es tun [S. 918] werde, ist seine Freude, durch die er selig ist, nicht gewachsen; sonst wäre er seliger geworden, als er uns schuf. Das sei ferne, Brüder; die Seligkeit Gottes wird, weil sie auch nicht kleiner gewesen war ohne uns, nicht größer durch uns. Seine Freude also an unserm Heile, die in ihm immer war, indem er uns ja vorherwußte und vorherbestimmte, fing an in uns zu sein, da er uns berief, und diese Freude, durch die auch wir selig sein werden, nennen wir mit Recht auch die unserige; aber diese unsere Freude wächst und nimmt zu und trachtet beharrlich nach ihrer Vollendung. Sie beginnt also im Glauben bei der Wiedergeburt, sie wird vollendet werden im Lohne bei der Auferstehung. Siehe, wie ich den Ausspruch verstehe: „Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch sei, und eure Freude vollkommen werde“, „in euch sei“ die meine, „vollkommen werde“ die eurige. Denn die meine war immer vollkommen, auch schon bevor ihr berufen wurdet, da ihr als zu Berufende von mir vorausgewußt wurdet; aber sie entsteht auch in euch, wenn ihr das werdet, was ich von euch vorausgewußt habe; vollkommen aber werde die eurige, weil ihr selig sein werdet, was ihr noch nicht seid, wie ihr erschaffen wurdet, da ihr noch nicht waret.

1: Joh. 13, 8.
2: Eph. 1, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger