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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
80. Vortrag

3.

„Ihr seid bereits rein wegen des Wortes, das ich zu euch gesprochen habe“. Warum sagt er nicht: Ihr seid rein wegen der Taufe, mit der ihr gewaschen worden seid, sondern sagt: „Wegen des Wortes, das ich zu euch gesprochen habe“, außer weil auch im Wasser das Wort reinigt? Nimm das Wort weg, und was ist das Wasser als eben Wasser? Es tritt das Wort zum Element, und es wird das Sakrament, auch dieses gleichsam ein sichtbares Wort. Denn auch dies hatte er ja gesagt, da er den Jüngern die Füße wusch: „Wer gewaschen ist, hat nur nötig, daß er die Füße wasche; sondern er ist ganz rein“1. Woher diese so große Kraft des Wassers, daß es den Leib berührt und das Herz abwäscht, außer durch die Wirksamkeit des Wortes, nicht weil es gesprochen, sondern weil es geglaubt wird?2 Denn auch im Worte selbst ist etwas anderes der vorübergehende Klang und etwas anderes die bleibende Kraft. „Dies ist das Wort des Glaubens, das wir verkünden“, sagt der Apostel, „denn wenn du mit deinem Munde bekennst, daß Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, [S. 908] daß Gott ihn auferweckt hat von den Toten, so wirst du selig sein. Denn mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit, mit dem Munde aber geschieht das Bekenntnis zum Heile“3. Darum steht in der Apostelgeschichte: „Durch den Glauben reinigt er ihre Herzen“4, und in seinem Briefe sagt der selige Petrus: „So macht auch euch die Taufe heilig, nicht Ablegung fleischlichen Schmutzes, sondern Angelobung eines guten Gewissens“5. „Dies ist das Wort des Glaubens, das wir verkünden“, mit dem ohne Zweifel auch die Taufe geheiligt wird, damit sie reinigen könne. Christus nämlich, der mit uns Weinstock, mit dem Vater Weingärtner ist, „hat die Kirche geliebt und sich selbst für sie hingegeben“. Lies den Apostel und siehe, was er beifügt: „Um sie zu heiligen“, sag er, „sie reinigend durch das Bad des Wassers im Worte“6. Die Reinigung also würde keineswegs dem fließenden und verfließenden Elemente zugeschrieben werden, wenn nicht hinzugefügt würde: „im Worte“. Dieses Wort des Glaubens vermag so viel in der Kirche Gottes, daß es durch den Glaubenden, Darbringenden, Segnenden, Benetzenden auch ein so kleines Kind reinigt, obwohl es noch nicht imstande ist, mit dem Herzen zu Glauben zur Gerechtigkeit und mit dem Munde zu bekennen zum Heile. Dies alles geschieht durch das Wort, von dem der Herr sagt: „Ihr seid bereits rein wegen des Wortes, das ich zu euch gesprochen habe“.

1: Joh. 13, 10.
2: Das „Wort“, d. h. die Taufformel, hat seine Kraft und Wirksamkeit darum, weil es ein Bestandteil, ein Ausdruck und Bekenntnis des christlichen Glaubens ist.
3: Röm. 10, 8―10.
4: Apg. 15, 9.
5: 1 Petr. 3, 21.
6: Eph. 5, 25 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger