Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium) 75. Vortrag
5. "Wer meine Gebote hat", sagt er, "und sie hält, der ist es, der mich liebt". Wer sie hat im Gedächtnis und sie hält im Leben; wer sie hat in den Reden und sie hält in den Sitten; wer sie hat, indem er sie hört, und sie hält, indem er sie tut; oder wer sie hat, indem er sie tut, und hält, indem er darin ausharrt, "der ist es", sagt er, " der mich liebt. Die Liebe ist durch die Tat zu beweisen, damit es nicht eine unfruchtbare Namensnennung sei. "Und wer mich liebt", sagt er, "wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren". Was heißt: "Ich werde lieben?" als ob er dann lieben wird und jetzt nicht lieben würde. Das sei ferne! Wie sollte denn uns der Vater ohne den Sohn oder der Sohn ohne den Vater lieben? Wie sollten sie, da sie doch unzertrennlich wirken, getrennt lieben? Allein dazu sagte er: "Ich werde ihn lieben", wozu er fortfährt: "und werde mich ihm offenbaren". Ich werde lieben und offenbaren, d.h. ich werde lieben, um zu offenbaren. Denn jetzt hat er dazu geliebt, daß wir glauben und das Gebot des Glaubens halten; dann wird er dazu lieben, daß wir schauen und das Schauen selbst als Lohn des Glaubens erlangen; weil ja auch wir jetzt lieben, indem wir glauben, was wir schauen werden; dann aber lieben werden, indem wir schauen, was wir glauben.
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