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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
74. Vortrag

2.

Es bleibt also nur noch übrig einzusehen, daß der den Heiligen Geist hat, welcher liebt, und dadurch, daß er ihn hat, verdient, ihn mehr zu haben, und dadurch, daß er ihn mehr hat, ihn mehr zu lieben. Es hatten also die Jünger bereits den Heiligen Geist, den der Herr verhieß, ohne den sie ihn nicht Herrn nannten, und doch hatten sie ihn vorläufig nicht so, wie ihn der Herr verhieß. Es hatten ihn also und hatten ihn nicht die, welche ihn in dem Maße, wie er empfangen werden sollte, noch nicht hatten. Sie hatten ihn also in geringerem Maße, er sollte ihnen in größerem Maße gegeben werden. Sie hatten ihn in verborgener Weise, sie sollten ihn sichtbar empfangen, weil auch dies zu der größeren Gabe des Heiligen Geistes gehörte, daß ihnen äußerlich kund werden sollte, was sie hatten. Von dieser Gabe sprechend sagt der Apostel: „Wir aber haben nicht den Geist dieser Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir wüßten, was von Gott uns gegeben worden ist“1. Denn auch diese sichtbare Erteilung des Heiligen Geistes nahm der Herr nicht einmal, sondern zweimal vor. Bald nämlich nach seiner Auferstehung von den Toten hauchte er sie an und sprach: „Empfanget den Heiligen Geist“2. Hat er nun etwa deshalb, weil er ihn damals gab, nicht auch nachher den gesandt, den er verhieß? Oder ist es nicht derselbe Heilige Geist, der sowohl damals eingehaucht wurde, als auch nachher von ihm vom Himmel her gesandt wurde?3 Warum nun freilich die sichtbare Erteilung zweimal erfolgte, ist eine andere Frage; vielleicht nämlich ist wegen der zwei Gebote der Liebe, d. i. des Nächsten und Gottes, um einzuschärfen, die Liebe sei eine Gabe des Heiligen Geistes, diese doppelte Mitteilung des Heiligen Geistes in sichtbarer Weise [S. 881] geschehen. Und wenn wir eine andere Ursache zu suchen haben, soll nicht wegen deren Erforschung diese Rede über das geziemende Maß ausgedehnt werden, wenn nur feststeht, daß wir ohne den Heiligen Geist Christus nicht lieben und seine Gebote nicht beobachten können, und daß wir dies um so weniger können und tun, in je geringerem Maße wir ihn empfangen, um so mehr aber, in je größerem Maße wir ihn empfangen. Somit wird er nicht bloß dem, der ihn nicht hat, sondern auch dem, der ihn hat, nicht umsonst versprochen, und zwar dem, der ihn nicht hat, damit er ihn habe, dem andern, der ihn schon hat, damit er ihn in reichlicherem Maße habe. Denn wenn ihn nicht der eine weniger, der andere mehr hätte, würde der heilige Elisäus zum heiligen Elias nicht sagen: „Der Geist, der in dir ist, sei doppelt in mir“4.

1: 1 Kor. 2, 12.
2: Joh. 20, 22.
3: Apg. 2, 4.
4: 4 Kön. 2, 19 [= 2 Kön. nach neuerer Zählart].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger