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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
69. Vortrag

3.

3. Sage mir, mein Herr, was ich zu Deinen Knechten, meinen Mitknechten, sagen soll. Der Apostel Thomas hatte, um Dich fragen zu können, Dich vor sich; und doch würde er Dich nicht verstehen, wenn er Dich nicht in sich hätte; ich frage Dich, weil ich weiß, daß Du über mir bist; ich frage aber, sofern ich meine Seele über mich ergießen kann1, wo ich Dich nicht reden und doch lehren hören kann. Sage mir, ich bitte, wie gehst Du zu Dir? Hattest Du etwa, um zu uns zu kommen, Dich selbst verlassen, zumal da Du nicht von Dir selbst gekommen bist, sondern der Vater Dich gesandt hat? Ich weiß zwar, daß Du Dich erniedriget hast, aber deshalb, weil Du die Knechtsgestalt angenommen hast2, nicht weil Du die Gottesgestalt, sei es, um zu ihr zurückzukehren, aufgegeben, oder, um sie wieder zu empfangen, verloren hast; und doch bist Du gekommen, und nicht [S. 859] bloß zu den fleischlichen Augen, sondern auch bis in die Hände der Menschen bist Du gekommen. Wie, außer im Fleische? Durch dieses bist Du gekommen, bleibend, wo Du warst, durch dieses bist Du zurückgekehrt, ohne den Ort zu verlassen, zu dem Du gekommen warst. Wenn Du also durch dieses gekommen und zurückgekehrt bist, so bist Du durch dieses ohne Zweifel nicht bloß uns der Weg, auf dem wir zu Dir kommen sollten, sonder Du bist auch für Dich der Weg gewesen, auf dem Du kommen und zurückkehren solltest. Indem Du aber zum Leben, das Du selbst bist, gegangen bist, so hast Du fürwahr eben dieses Dein Fleisch vom Tode zum Leben geführt. Etwas anderes ist freilich das Wort Gottes, etwas anderes der Mensch, aber das Wort ist Fleisch, d. i. Mensch geworden. Also ist nicht eine andere Person die des Wortes, eine andere die des Menschen, weil Christus beides ist in einer Person; und wie darum, als das Fleisch starb, Christus starb, und als das Fleisch begraben wurde, Christus begraben wurde (so nämlich glauben wir zur Gerechtigkeit, so bekennen wir mit dem Munde zum Heile)3, so kam, als das Fleisch vom Tode zum Leben kam, Christus zum Leben. Und weil Christus das Wort Gottes ist, ist Christus das Leben. So kam auf eine wunderbare und unaussprechliche Weise derjenige, welcher niemals sich selbst aufgab oder verlor, zu sich selbst. Es war aber, wie gesagt, durch das Fleisch Gott zu den Menschen gekommen, die Wahrheit zu den Lügnern; denn Gott ist wahrhaft, jeder Mensch aber ein Lügner4. Da er also sein Fleisch von den Menschen hinweggenommen und es dorthin erhoben hat, wo niemand lügt, so ist der nämliche, weil das Wort Fleisch geworden ist, durch sich selbst, d. i. durch das Fleisch, zur Wahrheit, die er selbst ist, zurückgekehrt. Und zwar hat er diese Wahrheit, obwohl unter Lügnern, auch im Tode bewahrt; denn Christus war zwar dereinst tot, aber er war niemals lügenhaft.

1: Ps. 41, 5 [hebr. Ps. 42, 5].
2: Phil. 2, 7.
3: Röm. 10, 10.
4: Röm. 3, 4 (Ps. 115, 11 [= Vulg.; Sept.: Ps. 115, 2; hebr. Ps. 116, 11]).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger