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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
69. Vortrag

1.

Jetzt, Geliebteste, handelt es sich darum, daß wir nach bestem Vermögen aus den späteren Worten des Herrn die früheren verstehen und aus den nachfolgenden die vorausgehenden, da ihr ja gehört habt, was dem Apostel Thomas auf seine Frage geantwortet wurde. Der Herr hatte nämlich vorher gesagt ― als er von den Wohnungen sprach, von denen er bemerkte, daß sie im Hause seines Vaters sind und daß er zu deren Bereitung hingehe, was wir so verstanden, die Wohnungen seien schon in der Vorherbestimmung und würden doch erst bereitet, indem die Herzen der dereinstigen Bewohner durch den Glauben gereinigt werden, weil das Haus Gottes sie selbst sind; und was heißt im Hause Gottes wohnen anders, als im Volke Gottes sein, da ja eben dieses Volk in Gott ist und Gott in ihm? Dieses zu bereiten, ging der Herr hin, damit durch den Glauben an den Unsichtbaren die Wohnung, die in der Anschauung immer sein wird, jetzt bereitet werde ― darum also hatte er gesagt: „Wenn ich hingegangen sein und euch einen Ort bereitet haben werde, komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seid. Und wohin ich gehe, wißt ihr, und den Weg wißt ihr.“ Darauf „spricht Thomas zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin Du gehst, und wie können wir den Weg wissen?“ Beides, hatte der Herr gesagt, wüßten sie, beides, sagt dieser, sei ihnen unbekannt, sowohl das Ziel wie der Weg zum Ziele. Aber jener kann nicht lügen, also wußten sie es und wußten nicht, daß sie es wissen. Er soll sie überführen, daß sie es schon wissen, was sie meinen noch nicht zu wissen. „Jesus sagt zu ihm: [S. 857] Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Was heißt das, Brüder? Sehet, wir haben den Jünger fragen gehört, wir haben auch den Meister lehren gehört, und wir fassen, selbst nach dem Erklingen der Stimme, noch nicht den verborgenen Sinn. Aber was können wir nicht fassen? Konnten etwa seine Apostel, mit welchen er redete, zu ihm sagen: Wir kennen Dich nicht? Mithin, wenn sie ihn kannten und er der Weg ist, so kannten sie den Weg; wenn sie ihn kannten und er die Wahrheit ist, so kannten sie die Wahrheit; wenn sie ihn kannten und er das Leben ist, so kannten sie das Leben. Sehet, sie sind überführt worden, daß sie wußten, was sie glaubten nicht zu wissen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger