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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
66. Vortrag

1.

Als der Herr Jesus die heilige Liebe, womit sie sich gegenseitig lieben sollten, den Jüngern anempfahl, „spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, wohin gehst Du?“ Dies sprach gewiß der Jünger zum Meister und der Knecht zum Herrn so, als wäre er bereit, ihm zu folgen. Darum nämlich antwortete ihm der Herr, der seine Absicht, warum er diese Frage stellte, durchschaute, in folgender Weise: „Wohin ich gehe, kannst du mir jetzt nicht folgen“, gleich als würde er sagen: Wonach du fragst, das kannst du jetzt nicht. Er sagt nicht: Du kannst nicht, sondern: „Du kannst jetzt nicht“; er setzte nur einen Aufschub fest, benahm aber nicht die Hoffnung, und eben diese Hoffnung, die er nicht benahm, sondern vielmehr gab, bekräftigte er durch den folgenden Ausspruch, indem er hinzufügte und sprach: „Du wirst aber später folgen“. Was eilst du, Petrus? Noch nicht hat dich mit seinem Geiste der Fels befestigt. Erhebe dich nicht in vermessenem Selbstvertrauen: „Du kannst jetzt nicht“; versinke nicht in Verzweiflung: „Du wirst später folgen“. Aber was sagt jener immer noch? „Warum kann ich Dir jetzt nicht folgen? Ich will mein Leben für Dich hingeben“. Welches Verlangen in seiner Seele war, sah er; welche Kräfte, sah er nicht. Seines Wollens rühmte sich der Schwache, aber seinen Gesundheitszustand durchschaute der Arzt; jener versprach, dieser sah vorher; der in Unkenntnis war, wurde kühn; der vorherwußte, belehrte1. [S. 844] Wieviel hatte sich Petrus zugemutet, indem er auf seinen guten Willen sah, über sein Können aber in Unwissenheit war? Wieviel hatte er sich zugemutet, daß er, da doch der Herr gekommen war, sein Leben hinzugeben für seine Freunde und darum auch für ihn, dem Herrn ein solches Anerbieten zu machen sich getraute und, obwohl das Leben Christi für ihn noch nicht hingegeben war, sein Leben für Christus hingeben zu wollen sich anheischig machte? Da antwortete Jesus: „Du willst dein Leben für mich hingeben?“ Du willst also für mich tun, was ich noch nicht für dich getan? „Du willst dein Leben für mich hingeben?“ Kannst du vorangehen, der du nicht nachfolgen kannst? Was nimmst du dir soviel heraus? Was denkst du von dir? Was hältst du von dir? Höre, was du bist: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnest“. Siehe, als was du dir alsbald dich enthüllen wirst, der du Großes sprichst und dich nicht als klein erkennst. Der du mir deinen Tod versprichst, dreimal wirst du dein Leben verleugnen, der du schon meinst, für mich sterben zu können, lebe zuerst für dich; denn indem du den Tod deines Fleisches fürchtest, wirst du deiner Seele den Tod geben. Denn wie das Leben darin besteht, Christus zu bekennen, so besteht der Tod darin, Christus zu verleugnen.

1: Iste promittebat, ille praenoscebat; qui nesciebat, audebat: qui praesciebat, docebat.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger