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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
62. Vortrag

4.

1 Noch mangelte indes dem nicht vom Herrn, sondern vom Teufel besessenen Judas, nachdem dem undankbaren Menschen das Brot in den Leib, der Feind in den Geist eingegangen war, noch mangelte, sage ich, von einem so großen ins Herz bereits aufgenommenen Frevel der volle Effekt2, wenn auch allerdings der verdammenswerte Entschluß schon vorausgegangen war. Als daher der Herr, das lebendige Brot, dem Toten das Brot gereicht und durch Darreichung des Brotes den Verräter des Brotes3 kenntlich gemacht hatte, sprach er: „Was du tust, das tue bald!“ Er befahl nicht die [S. 828] schlechte Tat, sondern sagte dem Judas die Übeltat, uns die Wohltat voraus. Denn was ist für Judas schlimmer und was für uns besser als der von ihm zu seinem Schaden, aber ohne seine Absicht für uns begangene Verrat Christi? „Was du tust, das tue bald!“ O Wort, das mehr von einem Bereitwilligen als von einem Unwilligen kommt! O Wort, das weniger die Strafe des Verräters ausdrückt, als vielmehr den Kaufpreis des Erlösers andeutet! Er sagte nämlich: „Was du tust, das tue bald“, nicht so fast aus heißer Begier nach dem Verderben des Treulosen, als vielmehr aus Verlangen nach dem Heile der Treugläubigen; denn er ist hingegeben worden wegen unserer Sünden4, und er liebte die Kirche und gab sich selbst für sie hin5. Deshalb sagt auch der Apostel von sich selbst: „Der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“6. Wenn also Christus sich nicht selbst hingeben würde, würde niemand Christus überliefern können. Was kommt dabei für Judas heraus als die Sünde? Denn er hat bei dem Verrate Christi nicht unser Heil beabsichtigt, um dessentwillen Christus überantwortet wurde, sondern dachte nur an Geldgewinn und erntete dadurch den Verlust seiner Seele. Er empfing den Lohn, den er wollte, aber wider seinen Willen wurde ihm der gegeben, den er verdiente. Judas gab Christus hin, Christus gab sich selbst hin; jener betrieb das Geschäft seines Verkaufes, dieser das unseres Loskaufes. „Was du tust, das tue bald“, nicht weil du es kannst, sondern weil der es will, der alles kann.

1: Die im folgenden Abschnitte in dem lateinischen Texte sich häufenden Wortspiele und scharf pointierten Antithesen lassen sich in der Übersetzung nicht oder nur unvollkommen wiedergeben.
2: D. i. die Ausführung des gefaßten Planes.
3: D. i. Christi.
4: Röm. 4, 25.
5: Eph. 5, 25.
6: Gal. 2, 20.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger