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Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)
55. Vortrag

7.

[Forts. v. [S. 794] ] Was Wunder aber, daß der vom Mahle aufstand und sein Gewand ablegte, der, da er in der Gestalt Gottes war, sich selbst erniedrigte? Und was Wunder, daß der sich mit einem Linnen umgürtete, der die Knechtsgestalt annahm und im Äußeren wie ein Mensch erfunden ward?1 Was Wunder, daß der Wasser in ein Becken goß, um damit den Jüngern die Füße zu waschen, der sein Blut auf die Erde goß, um damit die Unreinigkeit der Sünden abzuwaschen? Was Wunder, daß der mit dem Linnen, mit dem er umgürtet war, die Füße, die er gewaschen, abtrocknete, der mit dem Fleische, in das er gehüllt war, die Fußtapfen der Evangelisten bestätigte? Und zwar legte er, um mit dem Linnen sich zu umgürten, die Kleider ab, die er hatte; um aber die Knechtsgestalt anzunehmen, als er sich selbst erniedrigte, legte er nicht ab, was er hatte, sondern nahm an, was er nicht hatte. Bei der Kreuzigung wurde er allerdings seiner Kleider beraubt und nach dem Tode in Linnen gehüllt, und dieses sein Leiden ist ganz und gar unsere Reinigung. Im Begriffe also, den Tod zu erleiden, erwies er vorher noch Liebesdienste, nicht bloß denjenigen, für die er sich dem Tode unterziehen wollte, sondern auch demjenigen, der ihn zum Tode ausliefern sollte. So groß nämlich ist der Segen der menschlichen Demütigung, daß sie sogar die göttliche Erhabenheit durch ihr Beispiel anempfahl, weil der stolze Mensch auf ewig verloren ginge, wenn ihn nicht Gott in seiner Erniedrigung aufgefunden hätte. Der Menschensohn ist ja gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren war2. Es war aber verloren gegangen derjenige, welcher dem Stolze des Verführers gefolgt war; also folge der Wiedergefundene der Demut des Erlösers.

1: Phil. 2, 6 f.
2: Luk. 19, 10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger